Treue

Was ist der Sinn von Treue – und ist „lebenslange“ Treue überhaupt möglich?

Nachdem fiktiven Artikel über die Initiative gegen Diskriminierung von Menschen die mehrere Partner gleichzeitig haben, muss nun unbedingt der „Gegenentwurf“ ins Netz. Daher nun dieser Artikel zum Thema Treue.

Dr. Markus Spieker schreibt im Salzkorn[1]: „Die Freiheit der Liebe wird großgeschrieben, die Verpflichtung zur Treue klein. In solch einer Gesellschaft leben wir. Jedenfalls sind die Belohnungssysteme bei uns nicht so justiert, dass treues Verhalten belohnt und untreues Verhalten geahndet wird.“

Es gibt mehrere unabhängige Untersuchungen, dass Gesellschaften, in denen sexuelle Treue keine, oder nur eine untergeordnete Rolle spielen, sich über kurz oder lang nicht mehr weiterentwickeln, sondern regenerieren. Dagegen scheinen Gesellschaften, in denen sexuelle Treue ein hoher Wert ist, sich positiv zu entwickeln. Die Untersuchungen meinen, dass dies damit zusammenhängt, dass durch sexuelle Treue die Möglichkeiten der sexuellen Befriedigung geringer sind und daher diese „Energien“ in andere „Projekte“ investiert werden können.[2]

Biblisch gesehen ist Treue ein wesentlicher theologischer Begriff. Gott ist den Menschen treu – er schließt einen Bund mit ihnen, der durch den Regenbogen besiegelt wird[3]. Gott ist seinem Volk (den Juden) treu, obwohl ihn dieses Volk des öfteren verlässt und betrügt, also untreu ist. Der Prophet Hosea wird von Gott beauftragt, eine Hure zu heiraten um damit aufzuzeigen, wie groß Gottes Treue ist[4]. Jesus ist treu bis in den Tod – er nimmt nicht den „leichteren“ Weg, sondern erfüllt den Plan seines Vaters[5]. Treue zu Gott und Treue zu den Ehepartnern ist wesentlich. Sogar zu der Zeit, als ein Mann mehrere Frauen haben konnte, galt die Treue innerhalb einer Ehe als unantastbar. Beinahe hätte Gott den König David deshalb fallen lassen – nur sein bußfertiges Herz hat dies verhindert[6].

Psychologisch ist es so, dass sich im Prinzip alle Menschen danach sehnen verlässliche Partner zu haben. Verlässliche Eltern – die einander und den Kindern treu sind. Verlässliche Freunde, die auch dann noch da sind, wenn es im eigenen Leben nicht mehr läuft. Einen verlässlichen sexuellen Partner, dem man vertrauen kann, dass das gemeinsame Kind wirklich gemeinsam ist. Jemand dem man vertrauen kann, der durch dick und dünn mit einem geht. „Tatsächlich leben sicher und halbwegs glücklich gebundene Menschen durchschnittlich vier Jahre länger als der Rest der Bevölkerung.“[7]

Trotzdem gibt es nicht unwesentliche Kräfte, die daran arbeiten Treue zu verunglimpfen.

Treue wird dann einfach neu interpretiert. Treu sei, wenn man für einen bestimmten Lebensabschnitt treu sei. Treu sei, wenn man verbindlich mit einem Partner zusammen bleibe, egal wieviele sexuelle Partner man parallel dazu hat. Treu sei, wenn man ehrlich in dem ist, was man tut.

In Wikipedia wird Treue so definiert: Treue (mhd. triuwe) ist eine Tugend, welche die Verlässlichkeit eines Akteurs gegenüber einem anderen, einem Kollektiv oder einer Sache ausdrückt. Sie basiert auf gegenseitigem Vertrauen und/oder Loyalität, ist aber nicht der Beweis dafür, dass der Gegenstand der Treue ihrer auch würdig ist.

So definiert, könnte Treue tatsächlich auch nur für eine bestimmte Zeit gelten. Doch jeder prüfe sich selbst. Was ist Treue wert, wenn sie „jederzeit“ beendet werden kann? Muss Treue zeitlich nicht unbefristet sein, um dem Prinzip das dahinter steckt gerecht zu werden?

„Der seelische Schaden, den Verrat und Missbrauch anrichten, ist unermesslich und faktisch unbehebbar: die Person zerbricht oder sie verhärtet. Nicht selten folgt auf solche Erschütterung – sei sie nun persönlich oder kollektiv – eine grundsätzlich Abwehrhaltung gegen jegliches Treuegebot.“[8]

Wir Menschen scheitern immer wieder an den (eigenen) Ansprüchen. Aber das bedeutet doch nicht, dass wir die Ansprüche einfach herunter setzen. Es ist richtig und wichtig, sich an „berechtigten“ Ansprüchen zu orientieren – und täglich darum zu ringen diese zu erfüllen. Sicher ist es schwierig zu definieren, welche Ansprüche „berechtigt“ sind und welche nicht. Für mich ist die Bibel darin der Maßstab.

Lasst uns IHN lieben, denn er hat uns zuerst geliebt – und lass uns IHM treu sein, denn er ist immer treu.1.Johannes 4,19

[1] Salzkorn Nr.248, Anstiftung zum gemeinsamen Christenleben, OJC e.V. Reichelsheim, S.157

[2] Es geht um die universalhistorischen Betrachtungen von Jacob Burckhardt, Oswald Spengler und Arnold Toynbee, sowie um den Ethnologen Joseph D. Unwin. Dr. Markus Spieker in Salzkorn Nr.248, S.158

[3] 1,Mose 9

[4] Hosea 1,2

[5] Lukas 22,42

[6] 2.Samuel 12

[7] Dr. Markus Spieker in Salzkorn Nr.248, S.159

[8] Irisz Sipos in Salzkorn Nr.248, S.172

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