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(Un-)Glaube

Einige Gedanken zur Jahreslosung 2020

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben“

Markus 9, 24 Luther 2017

Unkraut – ein Wort für Kraut (Pflanzen) die man nicht selber gepflanzt hat, die wachsen auch wenn man sie nicht gießt, die für einen selber keinen Nutzen haben und die sogar ggf. „Nutzkraut“ (Nutzpflanzen) stören, oder den Ertrag verringern.

In der Jahreslosung kommt so was ähnliches vor: „Ich glaube! Hilf meinem Unglauben.“

Wenn man in diesem Sinne (von Unkraut) überlegt, was Unglaube bedeuten könnte, dann könnte das heißen: ich hab mich nicht um diese Art Glauben bemüht, ich kümmer mich auch nicht um diese Art Glauben, aber diese Art Glauben wächst trotzdem. Sozusagen von alleine. Es ist ein Glauben, der meinen Glauben an Jesus behindert. Der die Frucht meines Glaubens beschränkt.

Der Bibeltext, die Geschichte

Schauen wir uns den Text der Jahreslosung im Zusammenhang an.

Direkt vor der Geschichte, aus der die Aussage der Jahreslosung stammt ist Jesus mit Petrus, Jakobus und Johannes auf dem „Berg der Verklärung“. Als sie dann wieder vom Berg herunter kommen, ereignet sich diese Geschichte:

„Mk.9 ,14 Als sie zu den anderen Jüngern zurückkamen, waren diese von einer großen Menschenmenge umringt, darunter einige Schriftgelehrte, die ein Streitgespräch mit ihnen führten. 15 Sobald die Menge Jesus sah, geriet sie in große Erregung. Alle liefen zu ihm hin und begrüßten ihn. 16 »Worüber streitet ihr euch denn?«, fragte er. 17 Einer aus der Menge antwortete: »Meister, ich bin mit meinem Sohn gekommen; ich wollte mit ihm zu dir, weil er einen stummen Geist hat. 18 Wo immer dieser ihn packt, wirft er ihn zu Boden; dem Jungen tritt Schaum vor den Mund, er knirscht mit den Zähnen und wird ganz starr. Ich habe deine Jünger gebeten, den Geist auszutreiben, doch sie konnten es nicht.« 19 »Was seid ihr nur für eine ungläubige Generation!«, sagte Jesus zu ihnen. »Wie lange soll ich noch bei euch sein? Wie lange soll ich euch noch ertragen? Bringt den Jungen zu mir!« 20 Man brachte ihn, und sowie der Geist Jesus erblickte, riss er den Jungen hin und her, sodass dieser hinfiel und sich mit Schaum vor dem Mund auf dem Boden wälzte. 21 »Wie lange geht das schon so mit ihm?«, fragte Jesus den Vater des Jungen. »Von klein auf«, antwortete der Mann. 22 »Oft hat der Geist ihn sogar ins Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Doch wenn es dir möglich ist, etwas zu tun, dann hab Erbarmen mit uns und hilf uns!« – 23 »Wenn es dir möglich ist, sagst du?«, entgegnete Jesus. »Für den, der glaubt, ist alles möglich.« 24 Da rief der Vater des Jungen: »Ich glaube! Hilf mir heraus aus meinem Unglauben!« 25 Als Jesus sah, dass immer mehr Leute zusammenliefen, trat er dem bösen Geist mit Macht entgegen. »Du stummer und tauber Geist«, sagte er, »ich befehle dir: Verlass diesen Jungen sofort und geh nicht wieder in ihn hinein!« 26 Da schrie der Geist auf, riss den Jungen heftig hin und her und verließ ihn. Der Junge blieb regungslos liegen, sodass die meisten dachten, er sei tot. 27 Doch Jesus ergriff ihn bei der Hand, um ihn aufzurichten. Da stand der Junge auf. 28 Als Jesus ins Haus gegangen war und seine Jünger mit ihm allein waren, fragten sie ihn: »Warum konnten denn wir den Geist nicht austreiben?« 29 Jesus erwiderte: »Diese Art ´von Dämonen` kann durch nichts anderes ausgetrieben werden als durch Gebet.«“

Neue Genfer Übersetzung

Nach diesem Ereignis folgt die zweite Leidensankündigung Jesu.

Woher kommt Glaube?

Glaube ist etwas, das man nicht produzieren kann.

In Römer 10, 17 steht: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“ Luther 2017

D.h. Glaube entsteht aus dem Hören auf das Wort Gottes, bzw. darauf wie es ausgelegt wird. Ich kann Glaube zwar nicht produzieren, aber ich kann einen guten Rahmen schaffen, dass er wachsen kann. Indem ich das Wort Gottes lesen, bewege, und mir zusprechen lasse.

So wie ich einen guten Rahmen schaffen kann, dass eine Pflanze wächst – oder eben einen schlechten, dass sie eingeht…

Hoffnung

Der Vater eines offensichtlich kranken Jungen hat gehört, dass Jesus Kranke heilt und Dämonen austreibt. In ihm wächst dadurch der Glaube, dass Gott etwas tun könnte. Hoffnung wird in sein Herz gesät.

Im Hebräer 11, 1 steht: „Was ist denn der Glaube? Er ist ein Rechnen mit der Erfüllung dessen, worauf man hofft, ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit unsichtbarer Dinge.“ NGÜ

D.h. die Hoffnung ist wichtig, denn sie ist sowas wie eine Voraussetzung dafür was wir glauben. Ohne Hoffnung – kein Glaube. Ohne Glaube – keine Hoffnung.

Zwischen Glaube und Unglauben

Was der Vater tut, ist sich auf den Weg zu machen um Heilung (Dämonenaustreibung) für seinen Sohn zu bekommen. Das ist praktischer umgesetzter Glaube. Wenn er nicht gehofft, bzw. geglaubt hätte, dass seinem Sohn geholfen werden könnte, dann wäre er erst gar nicht los gegangen.

In seiner Aussage: „Doch wenn es dir möglich ist, etwas zu tun, dann hab Erbarmen mit uns und hilf uns!«“ zeigen sich seine Zweifel und seine Hoffnung. Er hat sich aufgemacht, in der Hoffnung dass Jesus handelt. Und nun, da er vor Jesus steht, traut er seiner eigenen Hoffnung nicht mehr so recht.

Mein Glaube, mein Unglaube

Mir geht es auch oft so. In den Jahren im Makarios gab es immer wieder Menschen und Situationen in denen ich große Hoffnung hatte, dass nicht nur einzelne zum Glauben an Jesus kommen, sondern mehrere. Und gleichzeitig hab ich gemerkt, dass es für mich auch unvorstellbar war.

Oder wenn ich für Kranke bete. Manchmal habe ich Hoffnung. Manchmal meine ich zu erkennen, dass Gott handeln will und wird. Und gleichzeitig merke ich, dass ich meiner eigenen Hoffnung nicht so recht traue.

»Ich glaube! Hilf meinem Unglauben!«“

Das ist mein Gebet. Ja Jesus, ich habe Hoffnung. Ja ich glaube Du willst handeln, verändern. Aber ich zweifle daran, dass Du es jetzt tun wirst. Ich zweifle daran, dass Du es durch mich tun wirst….. usw.

Vor einigen Wochen hatte ich mal wieder ein frustrierendes Erlebnis. Ich hatte für ein paar Menschen gebetet und es war nix passiert. Nix sichtbares. In mir kam die Frage auf, ob ich vielleicht einfach unfähig bin. Ob ich vielleicht durch das, wie ich bete sogar was schlechter mache…. und dann hat mich die Antwort Gottes getroffen: „Denkst Du tatsächlich Andreas, dass Du verhindern kannst, dass ich tue was ich tun will?“

Für mich erstmal erschreckend. Denke ich so von mir?

Und dann tröstlich. Gott kommt zu seinem Ziel. Egal wie dumm ich mich anstelle.

Amen