Offener Brief an die EKD – Herrn Schneider – zum Familienpapier

Sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender Schneider,

nachdem ich vor den großen Sommerferien bereits einiges zum sogenannten Familienpapier der EKD gelesen hatte, habe ich die Urlaubszeit genutzt, um mir ein eigenes Bild zu machen.

Ich war schon überrascht über die vielen Seiten des Papiers. „Da müsste es doch eigentlich möglich sein, ein differenziertes Bild zu beschreiben“ – dachte ich. Sie ahnen es vermutlich bereits, ich bin maßlos enttäuscht worden.

Mir ist klar, dass es ganz schön schwierig ist, ein Orientierungspapier als Volkskirche herauszubringen, denn dieses müsste ja die Breite der unterschiedlichen theologischen Ansichten repräsentieren. Und diese Ansichten sind in einer Volkskirche nun mal ziemlich unterschiedlich. Umso erschreckender, dass in diesem Papier zwar davon gesprochen wird, dass man auch zu anderen Schlussfolgerungen kommen kann, aber diese Schlussfolgerungen dann nicht benannt werden. So wird eine sehr einseitige theologische Ansicht als Meinung der EKD publiziert.

Dazu kommt, dass die theologische Begründung dieses Papiers mehr als dürftig ist. Fast habe ich den Eindruck, dass die einzige theologische Leitlinie mit dem Satz: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ beschränkt wird.

Nach der Lektüre des Papiers, habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, wie lange ich noch Mitglied dieser Kirche sein kann. Ich bin seit 20 Jahren als Diakon in einem sozialen Brennpunkt in der Württembergischen Landeskirche tätig. Ich erlebe dort vieles von dem, was das Papier in seiner (guten) Beschreibung unserer Gesellschaft benennt. Selber bin ich ein wiederverheirateter Geschiedener. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, empfinde ich dieses Papier und seine Schlussfolgerungen als wenig hilfreich bis katastrophal.

Eine Kirche die segnet, was die Bibel als Sünde bezeichnet. Eine Kirche die sich nicht traut, einen klaren Standpunkt zu vertreten. Eine Kirche die sich an die Meinung der Gesellschaft anpasst – und den biblischen Befund beliebig umdeutet – hat die salzende Kraft verloren.

Schon am 1. Dezember könnten sich die Mehrheitsverhältnisse in Württemberg so ändern, dass die Synode dieses Papier willkommen heißt. Sollte dies so kommen, weiß ich noch nicht, was ich tun werde. Dass dieses Papier dazu beiträgt die ev. Kirche weiter zu schwächen, ist für mich aber ohne Zweifel.

Ich wünsche Ihnen und allen die zum „Rat“ gehören Gottes Weisung und Segen.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas B. Peschke

Andere haben freundlicherweise sich bereits die Mühe gemacht, Stellung zum Familienpapier zu nehmen. Hier drei, die meiner Meinung sehr nahe kommen.

Stellungnahme des Bischof Hans-Jörg Voigtvon der Selbständigen Evangelisch Lutherischen Kirche: Hirtenwort_Ehe-Familie

Erklärung württembergischer Pfarrerinnen und Pfarrer, Mitglieder von Kirchengemeinderäten und Gemeindeglieder zur EKD-Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit“ (=Familienpapier :-)): Erklärung württembergischer Pfarrerinnen und Pfarrer

Pfarrer Dr. Gerrit Hohage: Stellungnahme zur EKD-Orientierungshilfe 1.1

Hier die Antwort des Ratsvorsitzenden Antwort EKD ohne Kommentar

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Hilfreich ist auch das Heft 279 der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ vom Juli 2013. Früher meine ich gerade bei dieser Gruppe eine gewisse Engführung wahrgenommen zu haben. Dieses Heft ist jedoch differenzierter als das gesamte EKD-Papier.