Initiative gegen Diskriminierung von Menschen die mehrere Partner gleichzeitig haben

Vor kurzem habe ich in der Zeitung von einer Initiative gelesen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat für Menschen zu kämpfen, die  „nicht treu“ sein können. Sie nennen sich Multigam – in Abgrenzung zu Polygam, denn dieses Wort „sei bereits negativ behaftet“. Die Multigamen sehen es als eine Diskriminierung an, wenn Menschen Nachteile deshalb erleiden, weil sie parallel zu ihren Partner oder Ehepartner, noch einen oder auch mehrere andere Partner(homo- oder heterosexuell) haben. Sie setzen sich dafür ein, dass schon der Satz, dass jemand „seinen Partner betrügt“, so sanktioniert wird, dass dieser aus dem Sprachgebrauch der Gesellschaft verschwindet.

Ihre Argumentation ist dabei folgende: wenn Jemand, parallel zu einem Partner noch einen oder auch mehrere andere Partner hat, dann ist das Ausdruck einer inneren „Struktur“. D.h. es ist  Teil ihrer Persönlichkeit, vermutlich sogar aufgrund ihrer Gene „angeboren“ , und daher sie können gar nicht anders. Wer sich gegen diese „angeborene“ Lebensstruktur wehre, sei lediglich gefangen in den gesellschaftlichen Zwängen und schadet seiner Psyche. Diese im inneren mulitgamen Menschen, die aber Monogam leben, müssen „befreit“ werden. Die Initiative möchte erreichen, dass es längerfristig möglich werden soll, nicht nur Ehen von zwei Menschen, sondern auch von mehreren Menschen zu schließen. Also z.B. ein Mann und drei Frauen, oder zwei Männer und zwei Frauen oder in welcher Zusammensetzung auch immer.

Außerdem tritt die Initiative dafür ein, jungen Menschen in der Pupertät die Möglichkeit zu geben, zu testen, inwieweit sie Multigam sind. Dazu sollen Freizeiten angeboten werden, bei denen die Pupertierenden „alles mal ausprobieren“ können.

Nun hat diese Initiative sogar fertig gebracht, einen evangelischen Pfarrer zu finden, der die Anliegen der IDMP  unterstützt. Er hat bereits ein Mulltigames „Paar“ gesegnet – zwei Männer und zwei Frauen – das sei legitim, „denn diese vier junge Menschen wollen verbindlich zusammen bleiben und Verantwortung füreinander übernehmen“, so der Geistliche. Mit dem Vorgehen dieses Pfarrers beschäftigt sich nun auch die Synode dieser Landeskirche. Erste Reaktionen lassen vermuten, dass es (noch) keine Mehrheit für das Vorgehen des Pfarrers gibt und dieser mit einer „Abmahnung“ (Dienstrechtliches Verfahren) rechnen muss.

Was es nicht alles zu geben scheint?

Als ich diesen Artikel angefangen habe zu schreiben, war dies rein fiktiv. Natürlich war mir klar, dass es Menschen gibt, die so leben – also mehrere Partner gleichzeitig haben. Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, dass es das als „Begriff“ gibt. Doch das Internet belehrte mich eines Besseren:

WIKIPEDIA schreibt:
Polyamory (englisches Kunstwort aus griechisch πολύς polýs „viel, mehrere“ und lateinisch amor „Liebe“, oft auch eingedeutscht Polyamorie geschrieben) ist ein Oberbegriff für die Praxis, Liebesbeziehungen zu mehr als einem Menschen zur gleichen Zeit zu haben. Dies geschieht mit vollem Wissen und Einverständnis aller beteiligten Partner.
Die angestrebten Beziehungen sind langfristig und vertrauensvoll angelegt und schließen normalerweise (aber nicht notwendigerweise) Verliebtheit, Zärtlichkeit und Sexualität mit ein. Menschen, die nichtmonogame Beziehungen bevorzugen oder führen, werden als „polyamor“, „polyamorös“ oder „polyamant“ bezeichnet. Seit den 1960er Jahren sind Erfahrungs- und Kommunikationsnetzwerke von Menschen entstanden, die bevorzugen, in solchen Beziehungen zu leben, und sich teilweise über das Internet darüber austauschen und sich hierin gegenseitig unterstützen. Es gibt jedoch sehr viele Menschen, auf welche eine solche Definition von Polyamory zwar zutrifft, die jedoch den Begriff nicht kennen, die Beziehungspraxis niemals als gedankliches Konzept aufgefasst haben, und nichts von derartigen Vernetzungen wissen.
Weltanschaulich stellt das polyamore Konzept die Vorstellung in Frage, dass Zweierbeziehungen die einzig erstrebenswerte oder mögliche Form des Zusammenlebens darstellen, und bejaht, dass ein Mensch mit mehreren Personen zur gleichen Zeit Liebesbeziehungen haben kann.

Klar darf in Deutschland jeder so leben wie er mag, solange er sich an die Gesetze hält. Es liegt mir grundsätzlich fern, Menschen zu diskriminieren, schlecht zu machen oder abzuwerten, auch diejenigen die Polyamory (oder eben Multigam) leben. Ob diese Lebensweise aber gut für diese Menschen ist, oder gut für die Gesellschaft, halte ich für fragwürdig, will ich aber an dieser Stelle nicht diskutieren. Ursprünglich war die Fiktion dazu gedacht, einige m.M.n. falschen Argumentationslinien bzw. Praktiken in der evangelischen Kirche „anzuprangern“.

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