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Frauengeschichten

Predigt zu 2. Samuel 11 +12 im eAg vom 22.Juli 2012
Der Predigttext ist leicht gekürzt – nach der Übersetzung: Hoffnung für alle!

Als der Frühling kam, begann wieder die Zeit, in der die Könige ihre Feldzüge unternahmen. Auch König David ließ seine Soldaten ausrücken: Unter der Führung Joabs zogen seine Offiziere mit dem ganzen Heer Israels in den Krieg gegen die Ammoniter. […]. David selbst blieb in Jerusalem.

Eines Nachmittags, als David seine Mittagsruhe beendet hatte, ging er auf dem flachen Dach seines Palasts spazieren. Da fiel sein Blick auf eine Frau, die im Hof eines Nachbarhauses ein Bad nahm. Sie war sehr schön. David wollte unbedingt wissen, wer sie war, und schickte einen Diener los, der es herausfinden sollte. Man berichtete ihm: „Die Frau heißt Batseba. Sie ist eine Tochter Eliams und verheiratet mit Uria, einem Hetiter.“

David sandte Boten zu ihr und ließ sie holen. Batseba kam, und er schlief mit ihr. Danach kehrte sie in ihr Haus zurück. […]

Nach einiger Zeit merkte Batseba, dass sie schwanger war. Sie schickte einen Boten zu David, der es ihm sagen sollte. Kaum hatte der König das gehört, ließ er Joab melden: „Schickt sofort den Hetiter Uria zu mir!“ Joab gehorchte und schickte den Mann zu David. Als Uria ankam, erkundigte sich David zunächst, ob es Joab und den Soldaten gut gehe und wie weit die Belagerung der Stadt schon vorangeschritten sei. Schließlich forderte er Uria auf: „Geh nun nach Hause zu deiner Frau, bade dich und ruh dich aus!“ Uria war noch nicht weit gekommen, als ihn ein Diener einholte und ihm ein Geschenk des Königs überreichte. Doch Uria ging nicht nach Hause, sondern zur königlichen Leibwache am Tor des Palasts. Dort übernachtete er.

David hörte davon und ließ Uria gleich am nächsten Morgen zu sich rufen. „Warum hast du nicht zu Hause bei deiner Frau übernachtet?“, fragte er ihn. „Du warst doch jetzt so lange von ihr getrennt!“ Uria antwortete: „Die Bundeslade steht nur in einem Zelt, und auch die Soldaten Israels und Judas müssen mit Zelten auskommen. Selbst der Heerführer Joab und seine Offiziere übernachten auf offenem Feld am Boden. Und da sollte ich nach Hause gehen, essen, trinken und mit meiner Frau schlafen? So wahr du, mein Herr, lebst: Niemals könnte ich so etwas tun!“ David bat ihn: „Bleib heute noch hier, Uria. Morgen lasse ich dich dann wieder ziehen.“ So blieb Uria noch in Jerusalem. Am Abend lud David ihn zum Essen ein und machte ihn völlig betrunken. Doch auch diesmal ging Uria nicht nach Hause, sondern schlief wieder bei der Leibwache am Palast.

Am nächsten Morgen schrieb David einen Brief an Joab und gab ihn Uria mit. Darin befahl er seinem Heerführer: „Stell Uria an die vorderste Front, wo der Kampf am härtesten tobt![…]zieht euch zurück, damit er getroffen wird und stirbt.“ Joab hatte die Feinde in der belagerten Stadt schon länger beobachtet, und so wusste er, wo ihre gefährlichsten Leute standen. Genau dort setzte er nun Uria ein. Als nun die Ammoniter aus der Stadt herausstürmten und angriffen, wurden einige Israeliten getötet, und auch der Hetiter Uria war unter den Gefallenen. Joab ließ David über den Ablauf des Kampfes genau unterrichten. […]

Als Batseba hörte, dass Uria gefallen war, hielt sie die Totenklage für ihren Mann. Gleich nach der Trauerzeit ließ David sie zu sich in den Palast holen und heiratete sie. Bald darauf brachte sie einen Sohn zur Welt. Der Herr aber verabscheute, was David getan hatte.

Das 11 Kapitel endet mit dem Satz: Der Herr aber verabscheute, was David getan hatte. Wie geht es uns, wenn wir diese Geschichte hören?Verabscheuen wir auch – wie Gott – was David getan hat? Oder fühlen wir uns eher mit David verbunden – seinem Versagen, seiner Schwäche?

Laut eines Artikels in Focus, ist Untreue nach wie vor einer der häufigsten Scheidungsgründe, nämlich etwa 35 Prozent der Scheidungs-Fälle gehen auf Eifersucht, Untreue oder einen neuen Partner zurück. Und einer Forsa-Umfrage zufolge, halten 45 Prozent der Deutschen einen Seitensprung für unverzeihlich.

Wohin gehören wir? Was hätte David bei einer solchen Umfrage wohl gesagt? Ich glaube, wenn David gefragt worden wäre, ob Ehebruch unverzeihlich ist, dass David dann auch zu den 45 Prozent gehört hätte, die einen Seitensprung für unverzeihlich gehalten hätten. Und trotzdem: David tut es. Der Bibeltext beschönigt es nicht – David wird zum Ehebrecher!

Wie ist das in meinem Leben? Wie ist das in Ihrem Leben? Was halte ich – was halten Sie – alles für gut, für richtig, für wichtig – und wir handeln trotzdem nicht danach? Natürlich gibt es dafür gute Gründe – warum wir es nicht, oder nicht immer, oder nicht genau so machen, wie wir wissen, dass es richtig oder gut wäre.

Bei David könnte man auch gute Gründe anführen – oder zumindest für Männer gut nachvollziehbare. Was muss sich die Batseba eigentlich öffentlich waschen, während David seine Runde dreht? Züchtig ist das ja nicht gerade – schließlich war sie zum Waschen nackt! Hat sie es vielleicht sogar darauf angelegt, dass David sie zu sehen bekam? Wieso wäscht sie sich nicht im Haus? Dann wäre David erst gar nicht in Versuchung gekommen! Dass ein Mann auf eine schöne nackte Frau reagiert, das ist doch nur zu verständlich. Oder?

Na ja, wenn es beim Schauen geblieben wäre. Aber dann muss David ja anfangen Nachforschungen zu betreiben – das ist der Anfang – der am Ende zu Ehebruch und Mord führt…. und hier wird deutlich warum Jesus die Gebote verschärft und sagt: Ihr habt gehört, dass gesagt ist »Du sollst nicht ehebrechen.« Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.

Tolstoi sagt das mit anderen Worten so: Was Du heute denkst, wirst Du morgen tun.

Und schon vor Jesus haben die Juden im Talmud festgehalten:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Wie sehr sich diese Dinge in dieser Davidsgeschichte bewahrheitet, werden wir noch erkennen.

Hätte David besser auf seine Gedanken geachtet, dann hätte er vielleicht gar nicht erst seine Erkundigungen eingezogen. Und als er durch diese Erkundigungen erfährt, dass diese Frau verheiratet ist – da hätte er doch STOPP sagen können. Doch seine Gier ist nicht mehr zu stoppen – seine Lust ist schon zu weit gediehen. In seiner Phantasie hat er schon längst mit ihr geschlafen und hinter seine Phantasie, will er nicht zurückgehen. Er holt sie sich ins Haus – und schläft mit ihr.

Und das alles tut er, obwohl er eine enge Beziehung mit Gott hatte! Das alles tut er obwohl er die zehn Gebote kannte. Das alles tut er obwohl er wusste, dass es in der Bibel heißt: Du sollst nicht die Ehe brechen – und: Du sollst nicht nach der Frau Deines Nächsten verlangen! David wusste, dass der Schutz der Ehe für Gott so wichtig ist, dass Ehebruch mit dem Tode bestraft werden soll – und damit genauso stark, wie das Töten eines anderen Menschen. Und doch geht David den Weg weiter, den er auf seinem Dach begonnen hat. Den er in seiner Phantasie und mit dem Auftrag Erkundigungen einzuholen fortgesetzt hat. Und ich frage mich – und David fragt sich später das sicher auch: Warum hat er nicht einfach weg geschaut? Warum ist er nicht wieder ins Haus gegangen?

Vielleicht ist die Versuchung zum Ehebruch nicht das Problem, mit dem ich oder sie zu kämpfen haben: das Prinzip aber, das in dieser Geschichte aufgezeigt wird, kennen wir alle – wir tun etwas – oder wir sind dabei etwas zu tun, das nicht in Ordnung ist. Doch wir treten dieser Versuchung, dieser Sünde, diesem Unrecht nicht gleich von Anfang an entgegen, sondern lassen uns auf ein Spiel ein: vielleicht ist es ja doch noch irgendwie zu rechtfertigen!? Mal sehen, wie weit ich gehen kann… usw. Na ja, so schlimm ist das doch nicht. Ich will ja nur mal… Das war auch Davids Fehler, so hat David auch gedacht: er schaut hin, er erkundigt sich über die Frau – und wäre sie nicht verheiratet gewesen, dann wäre es ja auch kein Problem gewesen….

Ich möchte das, was ich mit dem Prinzip meine, das diese Geschichte meiner Meinung nach verdeutlicht, noch ein wenig erläutern:
Wenn ich heute nicht immer aufrichtig zu meinen Kindern bin – im Rahmen dessen, was sie verstehen können – sondern zu „Notlügen“ greife, damit ich einer Quengelei oder einer Stresssituation aus dem Weg gehen kann, dann ist es sehr schnell passiert, dass ich eine weitere Lüge benötige – damit meine erste Lüge nicht enttarnt wird, und dann wird vielleicht sogar noch mehr daraus, weil ich etwas tun muss, das ich nicht tun will – um die erste Lüge nicht zu entlarven.

Ein simples Beispiel: Mal angenommen, mein Kind will unbedingt eine bestimmte Sendung anschauen. Ich will das aber nicht, weil ich selber was gucken möchte. Wenn ich dann zu dem Kind sage: heute kommt Deine Sendung nicht, damit es nicht quengelt oder heult – kann ich zunächst mal zufrieden sein. Doch was, wenn am nächsten Tag das Kind im Kindergarten erfährt, dass seine Sendung doch gekommen ist? Lüge ich dann weiter? Verdrehe ich die Wahrheit noch mehr, damit meine erste Lüge nicht bekannt wird? Ja bei denen ist die Sendung gekommen, aber nicht bei uns…. sie können sich selber was überlegen. Es würde nicht mit Mord enden – aber das Prinzip ist das gleiche! Und was ist die Folge?
Die Folge ist dann, dass ich mich nicht wundern brauche, wenn später die Kinder meinen Aussagen nicht zu 100% vertrauen! denn sie werden früher oder später die Lügen und Täuschungen erkennen! und das wird sie prägen. Genauso wie es meine Kinder prägt, wie ich mit meinen Eltern umgehe! wie ich mich um Andere kümmere, wie ich mein Geld ausgebe oder spende….usw. und deshalb ist es meiner Meinung nach umso wichtiger: keine Kompromisse! Sondern: Entscheidung für das, was vor Gott richtig ist!

Ein anderes, reichlich profanes Beispiel: fahren in einer 30er Zone – mit 50km/h. Ist eine Ordnungswidrigkeit – keine Straftat. Doch was, wenn ich jemanden durch mein zu schnelles Fahren verletze – oder vielleicht sogar töte? Sage ich dann, um mich zu schützen: ich bin auf jeden Fall nur 30km/h gefahren? Oder gebe ich zu, zu schnell gewesen zu sein? Und versuche ich dann sogar das alles so hin zu drehen, dass die verletzte Person schuld ist und ich ganz und gar nicht….?

Keine Kompromisse! Sondern Entscheidung für das, was vor Gott richtig ist.

David schickt Batseba gleich nach dem Beischlaf wieder in ihr Haus zurück, vielleicht hatte er ein schlechtes Gewissen bekommen, oder es war einfach nur die Taktik des Vertuschens. Spätestens aber, als er die Nachricht bekommt, dass Batseba schwanger ist, wusste David, dass er was unternehmen musste, damit sein Versagen nicht offensichtlich werden würde. Denn selbst für David wäre ein offener Ehebruch sicherlich nicht ohne Folgen geblieben. Auch als König unterstand er den Gesetzen.

David versucht zuerst, Uria sein Kind unter zu jubeln, indem er ihn nach Jerusalem holen lässt, damit er mit seiner Frau schläft. Dann könnte das Kind ja auch von Uria sein. Doch das misslingt. Denn Uria, der Ausländer – der Nicht Jude!, ist ein Mann von Ehre – ganz im Gegensatz zu David. Auch jetzt hätte David noch alles anders machen können. Was wäre passiert, wenn er Uria gesagt hätte, was passiert ist? Uria ist ihm gänzlich ergeben – vielleicht…. doch David wagt es nicht. Und so lässt er Uria töten. Eine Sünde, nämlich Ehebruch, die mit dem Tod bestraft werden soll – endet mit einem Tod – aber mit dem Tod dessen, der betrogen wurde. Wobei endet ist ja nicht richtig.

Nach der Trauerzeit heiratet David dann Batseba. Diese gebärt ihm einen Sohn. Und dann geschieht folgendes: Ich lese aus dem 2.Samuel 12

Der Herr sandte den Propheten Nathan zu David. Als Nathan vor dem König stand, sagte er zu ihm: „Ich muss dir etwas erzählen:

Ein reicher und ein armer Mann lebten in derselben Stadt. Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder, der Arme aber besaß nichts außer einem kleinen Lamm, das er erworben hatte. Er versorgte es liebevoll und zog es zusammen mit seinen Kindern groß. Es durfte sogar aus seinem Teller essen und aus seinem Becher trinken, und nachts schlief es in seinen Armen. Es war für ihn wie eine Tochter. Eines Tages bekam der reiche Mann Besuch. Er wollte seinem Gast, der einen weiten Weg hinter sich hatte, etwas zu essen anbieten. Aber er brachte es nicht über sich, eines seiner eigenen Schafe oder Rinder zu schlachten. Darum nahm er dem Armen sein einziges Lamm weg und bereitete es für seinen Besucher zu.“

David wurde vom Zorn gepackt und brauste auf: „So wahr der Herr lebt: Dieser Mann hat den Tod verdient! Dem Armen soll er vier Lämmer geben für das eine, das er ihm rücksichtslos weggenommen hat.“

Da sagte Nathan zu David: „Du bist dieser Mann! Der Herr, der Gott Israels, lässt dir sagen: ‚Ich habe dich zum König von Israel erwählt und dich beschützt, als Saul dich umbringen wollte. Den gesamten Reichtum Sauls und auch seine Frauen habe ich dir gegeben. Ganz Israel und Juda gehören dir. Und sollte dir das noch zu wenig sein, würde ich dir sogar noch mehr schenken. Warum also missachtest du meinen Willen? Warum hast du getan, was ich verabscheue? Den Hetiter Uria hast du ermordet und dann seine Frau geheiratet. Ja, du, David, bist der Mörder Urias, denn du hast angeordnet, dass Uria im Kampf gegen die Ammoniter fallen sollte! Von mir hast du dich abgewandt und Uria die Frau weggenommen. Darum sollen von nun an in jeder Generation einige deiner Nachkommen einen grausamen Tod erleiden. Ich, der Herr, sage dir: Jemand aus deiner eigenen Familie wird dich ins Unglück stürzen. Ich selbst werde dafür sorgen. Du musst erleben, wie ein Mann, der dir sehr nahe steht, dir deine Frauen wegnimmt und in aller Öffentlichkeit mit ihnen schläft. Was du, David, heimlich getan hast, das lasse ich am helllichten Tag geschehen. Ganz Israel soll Zeuge sein.'“

Da bekannte David: „Ich habe gegen den Herrn gesündigt.“

Nathan erwiderte: „Der Herr hat dir vergeben, du wirst nicht sterben. Doch wegen deiner Tat spotten die Feinde Gottes noch mehr über ihn. Darum muss der Sohn, den Batseba dir geboren hat, sterben.“

Nach diesen Worten ging Nathan wieder nach Hause. Der Herr ließ das Kind, das Urias Frau geboren hatte, todkrank werden.[…] Am siebten Tag starb das Kind.[…]

So sehr ich im ersten Teil der Geschichte über Davids Verhalten den Kopf schütteln kann, so sehr versetzt es mich in höchsten Respekt, wie David auf die Aussage Nathans: Du bist der Mann! reagiert.

Wie kann David auf der einen Seite so was tun, wie diesen Ehebruch und auf der anderen Seite fähig sein, so direkt und konkret auf die Aussage Nathans zu reagieren? David wusste schon bevor Nathan kam, dass er Mist gebaut hatte – auch wenn er versucht hat, diesen zu vertuschen. Doch als er konkret auf seine Sünde angesprochen wird, bekennt er: Ich habe gegen den Herrn gesündigt! Er benötigt oder gebraucht keine Ausreden, er versucht nicht sich unwissend zu stellen, er versucht nicht seine Sünde klein zu reden, oder Batseba in die Schuhe zu schieben! David bekennt seine Sünde – und benennt das, was ihm am meisten Problem bereitet: er hat gegen den HERRN gesündigt! Der Ehebruch und der Mord an Uria, sind schlimme Taten gegen die Gemeinschaft der Menschen, gegen Recht und Gesetz – aber sie sind vor allem – aus der Sicht Davids – Sünden gegen den Herrn der Welt!

Dieses Bekenntnis seiner Verfehlung, rettet ihm das Leben – denn nach dem Gesetz hätte David sterben müssen! Sogar zweimal: einmal für den Ehebruch, einmal für den Mord! Doch statt David müssen Andere leiden: sein gemeinsames Kind mit Beseba soll sterben, seine Frauen öffentlich missbraucht werden, von jemandem aus seiner Familie. Die Bibel berichtet einige Kapitel später davon, dass sein eigener Sohn Absalom dies tun wird. Und, die dritte Vorhersage ist, dass einige Nachkommen Davids, werden einen grausigen Tod sterben.

Was ist das für eine Gerechtigkeit? David selbst bleibt ungeschoren – David hat mit Batseba gesündigt – aber es stirbt das Kind und Davids Frauen werden öffentlich missbraucht?  Das entspricht nicht unserer Gerechtigkeitsvorstellung! Auch nicht dem Bild, das wir von einem gerechten Gott haben. Ich bin da ja eher ein pragmatisch eingestellter Mensch und denke mir, dass Gott schon seine Gründe haben wir, so zu handeln. Trotzdem will ich kurz andeuten, wie ich die Strafen, die Gott durch Natan zu David spricht deute.

  1. das was später Absalom, der Sohn Davids mit Davids Frauen tut und, dass er sich gegen seinen Vater auflehnt und ihn als König ablösen will, ist Folge dessen, wie David seine Sexualität gelebt hat, und seine Vaterschaft. Das kommt nicht einfach von oben herab – in dem Sinn, dass Gott dies in Absalom einpflanzt – auch wenn Natan sagt, dass Gott selber dafür sorgen wird, dass es so passiert – in Absalom sind die Grundlagen dafür längst geschaffen.
  2. dass einige Nachkommen Davids grausliche Tode sterben werden, ist auch schon vorprogrammiert. Durch Davids Vielweiberei werden unglaublich viele theoretische Thronfolger geboren. Dass es da zu Streiterei und Zwist kommt ist klar und die Menschen damals waren nicht zimperlich und somit auch die entsprechenden Gräultaten.
  3. der Tod des gemeinsamen Kindes von David und Batseba, begründet Nathan mit den Worten: Doch wegen deiner Tat spotten die Feinde Gottes noch mehr über ihn(=Gott). Darum muss der Sohn, den Batseba dir geboren hat, sterben.“ Gott schenkt einem Kind das Leben – und nimmt es wieder – um seine Gerechtigkeit wieder herzustellen. Denn wenn Gott für ein Vergehen die Todesstrafe fordert, dann muss er dies auch vollziehen, sonst ist er ein zahnloser Gott – vor allem für die um Israel lebenden Völker.

Erst mit Jesus Christus ist diese Logik aufgehoben worden, doch bis zu diesem Ereignis dauert es ja noch knapp 1000 Jahre.

Wie schon gesagt, das sind meine Erklärungen in aller Kürze!

Doch nun zurück zu uns und der eigentlichen Geschichte!

Im ersten Teil der Geschichte sollte David uns ein mahnendes Beispiel sein! Mahnend, dass wir nicht in die Sünde hineinschlittern, sondern ein Stoppschild setzten. Lassen wir uns nicht täuschen und uns nichts vor machen – wir haben immer eine Wahl, das Eine oder das Andere zu tun! Oder zu lassen! Ich kann nicht anders ist eine Lüge! Und denken wir auch daran, dass das was wir jetzt tun, Auswirkungen auf die Zukunft haben wird – weil wir durch unser Verhalten Dinge auslösen, die damit zusammen hängen.
Im zweiten Teil der Geschichte soll uns David ein leuchtendes Beispiel sein: wenn wir auf persönliches Versagen angesprochen werden, auf Sünde, Ungerechtigkeit… dann sollten wir sofort Buße tun und bekennen – und nicht uns rausreden, das Versagen klein reden, auf die Schuld der Anderen verweisen, oder denen die Schuld zuschieben…. wir haben nichts zu verlieren! Gott kennt alle unsere Sünden!

Ich glaube, dass David seine Sünde so klar bekennen konnte, weil er eine gute Gottesbeziehung hatte und ihm diese Beziehung das wichtigste im Leben war. Als Nathan ihm seine Sünde gezeigt hat – hat er erkannt, dass er die Gottesbeziehung gefährdet hat, und das hat ihn zum sofortigen Umkehren bewogen. Seine Sünde war eine Last für ihn, und als sich die Möglichkeit bot, diese abzugeben, hat er es getan – und war bereit die Folgen dafür zu tragen! Das heißt im Umkehrschluss, je besser meine Gottesbeziehung ist, desto besser bin ich vor solchen Fehltritten geschützt und je wichtiger mir die Beziehung zu Gott ist, desto besser wird es mir gelingen, Fehlverhalten zu bekennen und von meinem Fehlverhalten umzukehren.

Übrigens ist der nächste König von Israel ein gemeinsamer Sohn Davids und Batsebas. Und dieser Salomo taucht auch im Stammbaum Jesu auf! So zeigt uns die Geschichte auch: Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade!

Amen