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Tod eines Jugendlichen

Fast 25 Jahre arbeite ich nun in der offenen Jugendarbeit – immer im gleichen Haus, dem Jugendtreff Makarios. In dieser Zeit sind leider einige Besucher zu gestorben. Junge Menschen. Die meisten durch Unfälle, wenigstens einer durch Suizid.

Vor einigen Tagen war es, leider, mal wieder soweit. Ein ehemaliger Besucher hatte einen Herzinfarkt und starb (da er den Herzinfarkt im Auto hatte, und dann gegen einen Baum prallte, dachte ich ursprünglich, dass er bei einem Autounfall getötet worden wäre – das war aber wohl falsch). Er war vor 15 Jahren ein regelmäßiger Besucher, inzwischen soweit ich weiß, verheiratet und hatte zwei Kinder. Natürlich bin ich zur Beerdigung. Das tue ich immer, wenn es mir möglich ist und ich einen Menschen gekannt habe. Zudem hatte ich erst vor einigen Monaten noch mit S. eine persönliche Begegnung. Es war im Rahmen unserer Vätergruppe. Dort treffen sich vor allem ehemalige Besucher und wir unterhalten uns über Vatersein und Kindererziehung. Er schaute gegen Ende vorbei und wir sprachen über seine Freude, bald (wieder?) Vater zu werden. Also war S. nicht nur eine ferne Erinnerung, sondern auch recht nah. Tschüss sagen wollte ich, und das tat ich. Es war mir klar, dass zur Beisetzung viele andere ehemaliger Besucher kommen würden. S. war ein rundum freundlicher Mensch und – soweit ich es mitbekommen habe – überall sehr beliebt. Auch diesbezüglich war es mir wichtig, mein Beileid – meine Anteilnahme – zum Ausdruck zu bringen.

Die Trauerfeier hat mich berührt. Es war eine merkwürdige Mischung. Es gab christliche Elemente, wie z.B. das Vater unser, aber auch – woher auch immer kommend – Elemente die es den Trauernden ermöglicht haben, persönlich Abschied zu nehmen, indem sie dem Toten noch etwas sagen konnten. Neben dieser „Besonderheit“ gingen mir bei der Beisetzung noch einige Fragen durch den Kopf. Die wichtigste und wesentlichste war die, ob der Tod von S. bei einigen der Trauernden, zu einem Nachdenken über die eigene Vergänglichkeit führt, oder ob außer Schmerz und Zorn oder Wut nichts zurück bleibt.

Jeder weiß, dass er eines Tages sterben wird. Jedem ist bewußt, das Leben ist irgendwann vorbei. Doch dieses: „eines Tages“ und das „irgendwann“ lassen uns glauben, es sei noch lange Zeit. Lassen uns glauben, dass es noch weit weg ist. Vielleicht meinen wir, dass uns noch viel Zeit bleibt um uns damit auseinander zu setzen. Doch der Tod von S. lehrt uns, dass es jeden Tag passieren kann. „Irgendwann“ kann auch heute sein. „Eines Tages“ kann schon Morgen sein.

In den Liedern der Bibel, den Psalmen steht: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Ps 90, 12)

Der Tod eines geliebten Menschen könnte ein Anlass sein uns dieser Tatsache bewußt zu werden und darüber nachzudenken. Doch tun wir das? Oder gehen wir möglichst schnell wieder zur Tagesordnung über, damit wir uns nicht damit auseinandersetzen müssen, dass auch wir eines Tages sterben werden?

Was denkst Du, passiert wenn Du stirbst? Ist dann alles aus? Gibt es ewiges Leben? Wo wirst Du sein? Oder denkst Du, dass Du wiedergeboren wirst, als ein Tier oder ein Mensch?

Die Religionen geben unterschiedliche Antworten auf diese Fragen.

Im Islam kommen die Gerechten ins Paradies. Die guten und schlechten Taten werden gegeneinander aufgewogen. Welche Seite überwiegt? Eine Gewissheit, ins Paradies zu kommen, auch wenn  die eigenen Taten dafür ausreichen, gibt es nicht. Der Islam betont, dass Gott frei entscheiden kann.

Im Hinduismus (und ganz ähnlich im Buddhismus) geht es darum sich Leben für Leben nach oben zu arbeiten. Man wird solange wiedergeboren, bis man schließlich so hoch hinauf gestiegen ist, dass man ins Nichts eingehen kann. Das Ziel ist also nicht mehr zu sein, dem fast ewigen Kreislauf von Leben, Sterben und wiedergeboren werden zu entfliehen.

Viele Naturreligionen haben einen Totenkult. D.h. die Ahnen bestimmen wesentliches im Leben der Familie. Sie müssen besänftigt werden, geehrt und damit das eigene Leben gelingt müssen sie  gebeten werden.

Jesus gibt als einziger keine theoretische Antwort, sondern antwortet mit einer Tat. Jesus besiegt den Tod. Jesus steht von den Toten auf und lebt für immer. Das ist es, was Christen an Ostern feiern. Und Jesus spricht denen, die zu ihm gehören folgendes zu: „Da sagte Jesus […]: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben.“ Evangelium nach Johannes Kapitel 11, Vers 25

Für mich ist das Trost, Hoffnung und Zukunftsperspektive.

„Wenn wir leben, leben wir für den Herrn, und auch wenn wir sterben, gehören wir dem Herrn. Im Leben wie im Sterben gehören wir dem Herrn. Denn Christus ist gestorben und wieder lebendig geworden, um seine Herrschaft über alle auszuüben – über die Toten und über die Lebenden.“
Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom, Kapitel 14, Verse 8 und 9