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Der ewige König – Predigt beim ökumenischen Gottesdienst zum 1. Advent in St.Elisabeth, Pliensauvorstadt

Jeremia 33, 14-17

Seht, es werden Tage kommen – Spruch des Herrn -, da erfülle ich das Heilswort, das ich über das Haus Israel und über das Haus Juda gesprochen habe. In jenen Tagen und zu jener Zeit werde ich für David einen gerechten Spross aufsprießen lassen. Er wird für Recht und Gerechtigkeit sorgen im Land. In jenen Tagen wird Juda gerettet werden, Jerusalem kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Jahwe ist unsere Gerechtigkeit. Denn so spricht der Herr: Nie soll es David an einem Nachkommen fehlen, der auf dem Thron des Hauses Israel sitzt.

Liebe Gottesdienstgemeinde,

zuerst ein kurzer geschichtlich-theologischer „Rück“-blick, bevor ich zu den praktischen Punkten, für uns heute komme.

Zeitlich gehen wir  – gegenüber der Zeit in der unser Text gesprochen, bzw. aufgeschrieben wurde – nochmal ca. ein halbes Jahrtausend weiter zurück. Nachdem die Israeliten das verheißene Land unter Josua endlich eingenommen hatten, wollte Gott den seinem Volk erst gar keinen König geben – denn Gott selber sah sich als ihr König. Einige Zeit lang, berief Gott daher die sogenannten Richter, die das Volk führten – wenn es zum Krieg kam, oder wenn Recht gesprochen werden musste. Aber die Isrealiten waren damit nicht zufrieden, sie wollten einen König, wie die anderen Völker um sie her auch einen hatten. So kam es, dass Gott dem Verlangen des Volkes nach gab und der Prophet Samuel salbte Saul zum ersten König von Israel. Doch dieser wendet sich nach einiger Zeit von dem Gott Israels ab und so erwählt Gott David, wieder gesalbt durch Samuel zum Nachfolger Sauls. David erweist sich als „der König“ überhaupt – trotz seiner Verfehlungen ist er ein Mann, dessen Herz ganz Gott gehört. So kommt es, dass Gott verspricht, dass immer ein König aus der Familie Davids auf dem Königsthron sitzen wird. Und dieses Versprechen Gottes, ist auch Teil unseres heutigen Predigttextes.

Als nach David Tod,der Sohn Davids zum König wird, scheint sich alles sehr positiv zu entwickeln – Salomo wünscht sich Weisheit statt Gold und Macht, er baut den Tempel für Gott …. doch gegen Ende seines Lebens, lässt sich Salomo, von seinen vielen Frauen dazu hinreißen, fremde Götter an zu beten.

Nach Salomos Tod wird das Reich geteilt, es gab einen König im Südreich Juda in Jerusalem, und einen König im Nordreich Israel in Samaria. Und auch da, sind Licht und Schatten dicht aneinander. Licht und Schatten, das heißt, Könige die Gottgefällig handeln, Könige die Gottungefällig handeln. Könige, die irgendwann einmal den Kontakt mit Gott verlieren und Könige, die diesen Kontakt irgendwann wieder bekommen und entsprechend handeln….die Bibel scheut sich nicht, die guten und schlechten Dinge, die diese Könige getan haben zu erzählen.

Als Jeremia, der Prophet, der u.a. diese Zeilen des Predigttextes aufgeschrieben hat, 626 v. der Geburt Jesu, von Gott zum Propheten gerufen wird, ist Joschija König in Jerusalem. Das Nordreich Isreal hat bereits 100 Jahre vorher aufgehört zu existieren. Die Assyrer haben es erobert und die Bevölkerung verschleppt.

Jeremia beklagt in seinen Prophetien im Auftrag Gottes, dass das Volk den Bund mit JHWH – dem Gott Israels – verlassen hat. Joschija der damalige König, er kam mit acht Jahren an die Macht, versucht ein gottgefälliger König zu sein. Er tut was er kann, um Gottes Wohlgefallen zu finden. Als er den Tempel renovieren lässt, wird im Tempel eine Buchrolle mit den Gesetzen Gottes gefunden. Als Joschija deren Inhalt hört, ist der König tief beschämt, und lässt überall im Land diese Gesetzte umsetzen. Die Götzenstatuen in Juda werden zerstört werden, alle fremden Priester getötet oder vertrieben, das Passahfest wieder nach originalem Ritus gefeiert. Durch diese Reform, das aufrichtige Herz des Königs, wird das Verderben über Juda, das Jeremia angekündigt hat, noch einige Jahre hinaus gezögert.

In 2.Könige 21 bekommt Joschija diese Zusage durch den Mund eines anderen Propheten, dort steht folgendes:

So spricht der Herr, der Gott Israels: Durch die Worte, die du gehört hast, wurde dein Herz erweicht. Du hast dich vor dem Herrn gedemütigt, als du vernahmst, was ich über diesen Ort und seine Bewohner gesprochen habe: dass sie zu einem Bild des Entsetzens und zum Fluch werden sollen. Du hast deine Kleider zerrissen und vor mir geweint. Darum habe ich dich erhört – Spruch des Herrn.

Vom Zeitpunkt dieser Reform, bis zum Tod Joschijas schweigt der Prophet Jeremia. Es scheint fast, als ob sein Auftrag bereits zu Ende wäre.

Doch als Joschija stirbt und sein Sohn Jojakin König wird, zeigt sich sehr schnell, dass die Reform seines Vaters Joschijas keine echte innere, sondern nur äußerliche Veränderung gebracht hat. Die Herzen der Menschen haben sich nicht ihrem Gott JHWH zugewandt. Sie haben nur äußerlich die Riten und Regeln befolgt, aber ihre Herzen waren nicht bei der Sache. Aber genau das ist es, was Gott will!

So wird Jeremia reaktiviert. Und Jeremia kritisiert die Heilssicherheit des Volkes, denn das Volk meint, dass sie allein weil sie Juden sind, Gott auf ihrer Seite sei.

In diese Zeit fällt auch unser Predigttext.

Seht, es werden Tage kommen – Spruch des Herrn -, da erfülle ich das Heilswort, das ich über das Haus Israel und über das Haus Juda gesprochen habe. In jenen Tagen und zu jener Zeit werde ich für David einen gerechten Spross aufsprießen lassen. Er wird für Recht und Gerechtigkeit sorgen im Land. In jenen Tagen wird Juda gerettet werden, Jerusalem kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Jahwe ist unsere Gerechtigkeit. Denn so spricht der Herr: Nie soll es David an einem Nachkommen fehlen, der auf dem Thron des Hauses Israel sitzt.

Dieser Text enthält viele positive Zusagen Gottes an sein Volk. Direkt vor diesen Versen allerdings prophezeit Jeremia den Untergang des Königreiches. Dann jedoch schwenkt er um und erklärt, dass Gott letztlich gute Gedanken über das Volk hat und prophezeit einen gerechten König in der Nachfolge Davids.

600 Jahre dauert es, bis das Wort Gottes erfüllt wird. Jesus wird geboren.

Drei wesentliche Dinge, die wir aus dem Leben Jeremias und des Predigttextes lernen können, möchte ich herausgreifen!

Das Erste:

1. Glauben an Gott!

Glauben sie, dass sie ewiges Leben haben, weil sie heute hier im Gottesdienst sind? Denken sie, es wird entscheidend sein, ob sie Mitglied in der katholischen oder evangelischen Kirche sind, wenn es im letzten Gericht darum geht – ewiges Leben mit Gott oder ewige Verdammnis ohne Gott?

Dazu sagt Jeremia in Kapitel 7: Hört zu, ihr Leute von Juda! Hört alle her, die ihr durch diese Tore in den Tempel geht, um den Herrn anzubeten! So spricht der Gott Israels, der Herrscher der Welt: Ändert euer Leben und Tun! Dann dürft ihr hier wohnen bleiben. Glaubt nicht, dass es euch etwas hilft, wenn ihr ständig wiederholt: Dies ist der Tempel des Herrn, diese ist der Tempel des Herrn, hier wohnt der Herr! Damit betrügt ihr euch selbst! Nein, ihr müsst euer Leben und Tun gründlich ändern!

So wenig, wie die Juden das Volk Gottes sind, einfach nur weil sie als Juden geboren wurden, oder weil sie den Tempel Gottes in ihrer Mitte haben – so wenig sind wir Christen, weil wir in die Kirche gehen oder die Eucharistie empfangen. Macht es uns zu einem Hamburger, weil wir zu Mc Donalds gehen? oder werden wir zu Donald Duck, weil wir in Disneyland sind?

Nein!

Was macht uns zu Christen? Der Glaube an Jesus Christus. Der Glaube an seinen Tod und seine Auferstehung. Der Glaube, nicht das für wahr halten! Da ist ein wesentlicher Unterschied. Wenn ich es für wahr halte, dass Döner ungesund ist, dann heißt das noch lange nicht, dass ich entsprechend handle und auf regelmäßigen Dönergenuß verzichte. Viele Alkoholiker glauben, dass zu viel Alkohol schlecht für sie ist – aber sie handeln nicht danach. Glaube in dem wie es Jesus meint, heißt dass der Glaube Auswirkungen hat auf mein Denken, mein Handeln, mein Dasein! Dass ich der Erkenntnis, dass zuviel Döner mir schadet, das Handeln folgen lasse, dass ich nur noch gelegentlich Döner esse – dass ich der Erkenntnis, dass ich ein Alkohol Problem habe, das Handeln folgen lasse, z.B. zu den Anonymen Alkoholikern zu gehen. Dass ich der Erkenntnis, dass Jesus Gottes Sohn ist, gestorben für mich und meine Schuld, die Tat folgen lasse, ihm nach zu folgen, in Worten, Taten und Denken!

Das Zweite

2. Ein gerechter König!

Die Verheißung auf einen gerechten König deutet aus unser heutiger Sicht, ganz klar auf Jesus! Und wenn wir die Geschichte der Könige in Israel und Juda bedenken (und ein wenig habe ich ja in meiner Predigt aufgegriffen) – dann ist kaum vorstellbar, dass es einen gerechten König geben kann – denn selbst der Überkönig David – auf den das Versprechen Gottes, dass immer eine aus dem Hause Davids auf dem Königsthron sitzen wird zurück geht – hatte so seine menschlichen Schwächen.

Jeremia verheißt diesen Jesus, ohne selbst zu wissen, was da genau passieren wird. Niemand kann zu diesem Zeitpunkt erahnen, dass Gott einen so unglaublichen Weg beschreiten wird. Gott wird Mensch! In Jesus wird Gott Mensch. Der König des Universums wird ein gewöhnlicher Zimmermann.

Die Waisen aus dem Morgenland, die den in den Sternen verheißenen König suchen, gehen zuerst zu Herodes, weil sie logisch denken und einen neuen König im Hause des alten Königs vermuten. Doch damit liegen sie total falsch! Damit dass Jesus in einer Krippe liegen wird, konnten sie nicht rechnen.

Gott wird Mensch – doch er wird kein Mensch mit königlicher Macht, er wird kein Mensch, dem man ansieht, dass er König ist. Nein! Sondern Gott wird in Jesus zum inneren König! Man kann Jesus als König erkennen – aber nur mit dem Herzen.

Haben wir Jesus mit unserem Herzen „erkannt“?

Der Verstand wird immer sagen: das ist zu absurd. Das ist völlig abwegig. Ein Gott der Mensch wird? Das gibt es nicht.

Doch wer es zulässt, dass der heilige Geist sein Herz berührt, der kann sagen: Jesus Christus ist Herr! Maranatha. Unser Herr kommt!

Damit kommen wir zum dritten Punkt

3. Echte Gerechtigkeit!

Jeremia schreibt von einem Nachkommen Davids, der für Recht und Gerechtigkeit sorgen wird. Und natürlich schafft Jesus auch heute noch Recht und Gerechtigkeit – zwischen seinen Nachfolgern und seinem Vater – denn durch sein Blut sind wir gerecht vor Gott. Und Jesus schafft auch Recht zwischen den Menschen, durch die Gnade der Vergebung und der Barmherzigkeit.

Doch so sehr wir uns auch bemühen werden – wir werden keine vollständige Gerechtigkeit erlangen können. Die Welt ist eine „gefallene“ Welt! Echte Gerechtigkeit wird es erst im letzten Gericht geben! Für mich ist es ein Trost, zu wissen, dass am Ende der Zeit Jesus Recht sprechen wird. Er wird mich „Recht“ sprechen! Und dann werden auch diejenigen zur Rechenschaft gezogen, die sich jetzt dem Arm des Gesetzes entzogen haben – oder sich andersweitig durchmogeln. Erst wenn Jesus wiederkommt in Herrlichkeit und die Welt und die Menschen richten wird, ist die Verheißung Jeremias ganz erfüllt.

Amen