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Glaubensmut

Anlässlich des 69. Todestages von Franz Jägerstätter hingerichtet am 9.August 1943, möchte ich einige Sätze zur Frage nach Christsein und Widerstand im dritten Reich schreiben. Dies tue ich durch die Beschreibung von Gedanken und Taten dieses Mannes, der meinem vollen Respekt hat. Franz Jägerstätter zeigt, dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen, auch wenn diese studiert sind oderhohe Ämter haben – auch in der Kirche.
Ich will hier keine Biografie schreiben, das ist an anderer Stelle schon geschehen (hier der Wikipediaartikel und hier die ausführliche Biografie von Erna Putz) . Auch will ich nicht für oder gegen eine Seligsprechung (und folgende Heiligsprechung) schreiben, dazu hier die offizielle Seite der kath. Kirche. Dort findet sich auch eine sehr interessante Biografie von Jägerstätter. Ich will vielmehr meine Faszination und meinen Respekt zum Ausdruck bringen, dass Einer – entgegen den gesellschaftlichen Vorstellungen – entgegen seine Glaubenshirten, den erkannten Willen Jesu für sein Leben umsetzt, auch wenn ihn das das eigene Leben kostet.

Franz Jägerstätter wurde am 20.Mai 1907 in St.Radegrund im heutigen Österreich, an der deutschen Grenze, geboren. Er ging, wie fast alle damals auf die Volksschule, war aber schon in jungen Jahren sehr belesen. Er liest Zeitung und Heiligenbücher. Als junger Mann war er nicht sonderlich religiös. Als Katholik war Kirchgang normal, aber nicht im Widerspruch zu Trinken und Schlägereien. Sogar ein uneheliches Kind hatte er gezeugt.

Als er 1935 Franziska heiratet, ändert sich sein Leben. Statt Dorfhochzeit machten die beiden eine Hochzeitsreise nach Rom!

Im Januar 1938 hat Franz einen Traum: „Ein schöner Zug voller Menschen fuhr um einen Berg, Menschenmassen strömten hinein, auch die Kinder, fast niemand blieb draußen, und dann sagte ihm eine Stimme: Dieser Zug fährt in die Hölle. Dann war es ihm, als nehme ihn jemand bei der Hand.“
Den Zug deutete er als Symbol für den Nationalsozialismus.
Nach diesem Traum glaubte er fest daran, dass es eine Hölle gibt, und als logische Schlussfolgerung, dass es ein Paradies gibt.

1940 wird Franz zum ersten mal zum Wehrdienst eingezogen. Er macht seine Grundausbildung, die anderen Soldaten „mobben“ ihn, weil er manchmal in die Kirche geht. Die böse Natur des Faschismus wird ihm mit jedem Tag deutlicher. In einem Brief deutet er an, dass er von Euthanasie erfahren hat: „Ybbs: ist eine ganz schöne Stadt an der Donau. Es ist hier auch eine ziemlich große Irrenanstalt, die schon einmal stark besetzt war. Jetzt sind halt wahrscheinlich auch die Narren gescheit geworden, weil nicht mehr viele in dieser Anstalt untergebracht sind. Liebe Gattin, es soll schon auf Wahrheit beruhen wie du mir einmal erzählt hast was mit diesen Leuten geschieht. Wie uns ein Bauer, wo wir einquartiert sind erzählte, sollen sich hier schon traurige Szenen abgespielt haben.“

Als er im Frühjahr 1941 von der Grundausbildung zurück kommt steht sein Entschluss fest: er wird den Kriegsdienst verweigern.
Er sagt: „Der Nationalsozialismus sei eine antichristliche Macht, er könne nicht für sie kämpfen, wenn er in den Himmel wolle.“ Seine Frau versucht zuerst ihn umzustimmen, unterstützt ihn letztlich aber dann doch. Im Dorf und auch in der Kirche versuchen fast alle ihn um zustimmen.

Viele Freunde hat Franz nicht. Er trifft sich gelegentlich mit einem anderen gläubigen Soldaten an. Sie treten beiden in einen Laienorden ein. Später wird er fast gleichzeitig mit Franz, an der Westfront sterben. Ein zweiter Freund ist der ehemalige Dorfpfarrer, der aber sein Amt nicht mehr ausüben darf.

Die „Kirche“, in Gestalt des neuen Dorfpfarrers, möchte Franz wieder auf den rechten Weg bringen und sagt: „Es steht einfachen Leuten nicht zu, über Recht oder Unrecht eines Krieges zu entscheiden. Das sei Sache der politischen Führung.“  Jägerstätter antwortet: „Wenn man alle Verantwortung auf Hitler ablädt, muss dieser mehr davon tragen als ihm zuzumuten ist.“ Er fragt die kirchlichen Verantwortungsträger: „Wie kann es nicht sündhaft sein, einer Partei bei zu treten, die Raubzüge unternimmt und die auch das Christentum ausrotten will: Warum soll denn jetzt das für gerecht und gut befunden werden, was die Masse schreit und tut? Kann man jetzt auch glücklich ans andere Ufer gelangen, wenn man sich stets wehrlos vom Strom mitreißen läßt?“ und: „Wenn also die deutschen Soldaten, die im Kampfe für den nationalsozialistischen Sieg ihr Leben lassen müssen, für Helden und Heilige erklärt werden können, um wie viel besser muss es dann noch für die Soldaten in den anderen Ländern bestellt sein, die von den Deutschen überfallen wurden und hinausziehen um ihr Vaterland zu verteidigen, kann man da den Krieg noch als Strafe Gottes ansehen, ist es dann nicht besser zu beten, dass der Krieg fortdauere bis ans Ende der Welt, als zu beten dass er bald aufhöre, wo doch so viele Helfen und Heilige daraus hervorgehen?“

Als er im Februar 1943 seinen Einberufungsbefehl bekommt, weiß er, dass dies sein Todesurteil bedeutet. Er bleibt einen Tag länger bei Frau und Kindern, als er darf. Er kommt direkt in U-Haft, und danach in das Berliner Wehrmachtsgefängnis.

Als die Kinder ihrem Vater einmal einen Brief schicken, mit einem Foto, auf dem die Kinder zu sehen sind, wie sie ein Plakat hochhalten mit der Aufschrift: Lieber Vater komm bald!, antwortet dieser:
„Herzlichen Dank auch für die lieben Bilder, die mir auch große Freude gebracht, aber dazu auch feuchte Augen, die Loisie hätt ich ja bald nicht mehr erkannt, sie ist dem Geschau nach scheints eine ganz Energische. Eine Freude wäre es schon, wenn man die wenigen Lebenstage im Kreise seiner Familie verbringen könnte. Aber wenn der liebe Gott es anders für uns bestimmt hat, so ist es so auch gut, es ist auch eine Freude für Jesus und unseren Glauben leiden zu dürfen.“

Seine Verbundheit mit Jesus und die tiefe Beziehung zu seinem Herrn ist in vielen seiner Briefe zu spüren.
Zitat aus einem seiner letzten Briefe aus der Todeszelle: „Gott der Herr er möge uns allen in der letzten Stunde zu Hilfe kommen. Sorget euch auch nicht so ängstlich ums Irdische, der Herr weiß ja auch da, was wir brauchen so lange wir als Pilger auf dieser Welt sind.“

Franziska schreibt an Franz: „Gottes Wille er geschehe, wenn ich es auch nicht verstehe.“

Noch ein Zitat aus einem Brief aus der Todeszelle an seine Töchter: „Wenn man öfters an die Ewigkeit denkt, dann sind ja diese Opfer die man hier bringen muss, eigentlich gar nicht so schwer. Auch Christus hat am Ölberg zum himmlischen Vater gebetet, Er möge den Leidenskelch an ihm vorübergehen lassen, aber nie dürfen wir dabei vergessen bei diesen Bitten: Herr nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine.“

In seiner Gefängniszelle liegt ein Veilchen, das ihm seine Tochter Rosi gepflückt hat und ein Gebetsbuch. Er schreibt: „Hab auch ein sehr nettes Kämmerlein für mich allein. Es wird bestimmt nicht schlechter sein für mich, dass ich hierher kommen musste, denn Gott will nicht, dass wir verloren gehen, sondern dass wir ewig mit ihm glücklich sein dürfen. Wenn man gegen niemanden Rachegedanken hat und allen Menschen verzeihen kann, wenn auch manchmal einem ein hartes Wort zugeworfen wird, so bleibt das Herz in Frieden und was gibt es Schöneres auf dieser Welt als den Frieden.“

Er schreibt einen 40-seitigen Katechismus für seine Töchter, weil er der Überzeugung ist, dass sie niemals Religionsunterricht erhalten werden.

Er bleibt bei seiner Entscheidung, obwohl das Gericht und sein Verteidiger ihn umstimmen wollen. Er bietet noch an, als Soldat Sanitätsdienst zu leisten, das Gericht nimmt den Vorschlag nicht an.

In seinen Briefen bittet er seine Frau und seine Töchter um Verzeihung, zeigt aber keinen Zweifel an seiner Entscheidung.

Vier Wochen vor seinem Tod besucht ihn seine Frau noch einmal im Gefängnis. Sie können kaum ein Wort miteinander sprechen, weil der Pfarrer Franz überreden will, noch Frontsoldat zu werden: sie streiten. Franziska darf Franz nicht das Essen geben, das sie für ihn mitgebracht hat. Der Wächter verbietet es. Für Franz eine Bestätigung seines Entschlusses. Der Soldat hätte nur seine Befehle ausgeführt. Und wenn er selbst Soldat wäre, dann müsse er noch viel unsäglichere Befehle ausführen als diesen.

In seinem Abschiedsbrief schreibt er: „Jesus Herz, Maria Herz und mein Herz seien ein Herz. Verbunden für Zeit und Ewigkeit. Maria mit dem Kindlein lieb, uns noch allen Deinen Segen gib.“

Um 16 Uhr wird er als erster seiner Gruppe enthauptet. Seine Leiche wir verbrannt, die Asche verscharrt. Niemals sonst, erinnerte sich später der ihn begleitende Seelsorger, sei er in seinem Leben einem Heiligen begegnet. Ordensschwestern merkten sich, wo die Urne begraben wurde. Nach Kriegsende gruben sei diese aus, damit er neben seiner Kirche bestattet werden konnte.

2007 sprach die katholische Kirche Franz Jägerstätter selig.

Ein Mann nach dem Herzen Gottes! Dessen bin ich überzeugt. Möge Gott es geben, dass ich es auch bin! AMEN