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Taufpredigt

Diese Predigt wurde am 24.03.2013 in der ev. Südkirche, in Esslingen-Pliensauvorstadt gehalten. Anlass war die Taufe eines Besuchers unseres Jugendtreff Makarios und dessen Schwester.

Als ich ein kleiner Junge war, habe ich im Fernsehen eine Schiffstaufe gesehen. Haben Sie ja sicherlich auch schon mal. Sekt wird gegen die Schiffswand geworfen, der Name des Schiffes wird genannt und dann rutscht das Schiff ins Meer. Für mich war der Bezug zur Menschentaufe nicht weit und von diesem Moment an dachte ich, dass eine Menschentaufe bedeutet, dass man einem Baby einen Namen gibt – bis es getauft ist – so meine Denke – hat das Kind keinen Namen.

Selbst als ich 13 Jahren Christ geworden war – und ich die Taufe in der Kirche mit meinem Glauben an Jesus zusammenbrachte, war mir noch nicht ganz klar, was da eigentlich geschieht, wenn ein Baby – oder so wie heute hier Marcel und Melanie – in der Kirche getauft werden. Wir werden es nachher live erleben: Getauft wird auf den Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, soviel ist vermutlich den meisten von uns klar – aber was bedeutet das denn?

Die Taufe hat mehrere Bedeutungen und ich habe mal versucht einige wesentliche Punkte in meiner Ansprache einzubauen:

1. ADOPTION

Taufe ist wie eine Adoption. Die Eltern haben sich bereits entschieden das Kind zu adoptieren und warten sehnsüchtig darauf, dass das Kind sein Ja dazu gibt. Kleinere Kinder können noch kein eigenes Ja sagen – da müssen dann gesetzliche Vertreter entscheiden, ob das i.O. Ist oder nicht. Ältere Kinder können aber mit entscheiden. Rechtlich ist das Kind im Moment der Adoption bereits vollkommen das Kind Eltern – dass das Kind dann irgendwann einmal die Eltern auch als Mama und Papa ansieht und sie so nennt, ist ein Prozess, der dauern kann.

In der Parallele zur Taufe:

Der Täufling bekommt mit der Taufe sozusagen den Namen Gottes – wird also Mitglied in der Familie Gottes – wird ein Kind Gottes. Rechtlich wird der Täufling mit seiner Taufe zu einem Mitglied. Und weil man ihn nicht fragen kann – entscheiden Eltern und Paten für das Baby. Dass der Täufling dann einmal Gott als seinem Vater im Himmel erkennt und sich ihm zuwendet, ist dann auch ein Prozess – begleitet durch Konfirmandenunterricht und Menschen, die beten und dazu helfen.

Marcel – Kind des lebendigen Gottes

Melanie – Kind des lebendigen Gottes

2. ZEICHEN

Die Taufe ist ein sichtbares Zeichen. Wir Menschen brauchen oftmals ein äußerlich sichtbares Zeichen für eine Sache, die eigentlich klar ist. Bei einer Hochzeit braucht es eine Feier, und die Ringe, die anzeigen, dass man zueinander gehört. Bei einem Fußballspiel braucht es die Fahne oder den Schal um anzuzeigen, welches Team man unterstützt.

Die Taufe ist ein Zeichen für die Zusage Gottes, den Menschen um Jesu willen alle Fehltritte, oder im biblischen Jargon gesprochen, alle Sünde zu vergeben. Die Taufe ist ein Zeichen für die Gnade Gottes. In der Taufe sagt Gott: egal was Du getan hast, egal was bisher war: ich vergebe Dir. Und bitte bedenken Sie: Vor Gott sind wir alle Sünder – so gut und gerecht wir uns auch fühlen mögen!

3. VERTRAG

Die Taufe ist ein Bund, ein Vertrag mit Gott. Und wie bei einem Vertrag, tragen beide beteiligten Parteien dazu bei, dass der Vertrag erfüllt wird. Mit ihrer Unterschrift sagen sie: ich habe die feste Absicht, das zu tun was ich mit Dir vereinbart habe.

Bei der Taufe verspricht der Täufling Gott, dass er täglich der Sünde widerstehen will – er verspricht, sich der Sünde zu „verweigern“.

Und Gott – als der andere Vertragspartner – verspricht, dem Täufling, dass er ihm dort vergibt, wo dem Täufling der Widerstand gegen die Sünde nicht gelingt.

4. BEERDIGUNG UND AUFERSTEHUNG

Die Taufe ist eine Beerdigung. – nicht erschrecken, damit haben sie jetzt vermutlich nicht gerechnet. Aber es ist nahe dran.

Die Taufe ist Symbol dafür, dass der alte Mensch stirbt – der Mensch, der wir waren, bevor wir Jesus kennen gelernt haben – und nun ein neuer Mensch neu geboren wird, der Mensch der mit und in Jesus Christus lebt. Auch wenn das brutal klingt: es ist wie wenn der Täufling im Wasser ersäuft wird – und durch Jesus neues Leben bekommt. Durch die Taufe findet die Wiedergeburt als Kind Gottes statt.

5. UNTER WESSEN HERRSCHAFT STEHE ICH

Die Taufe ist auch ein Zeichen der Herrschaftszugehörigkeit. Ein D auf dem Auto zeigt an, dass es aus Deutschland kommt. Das ist zunächst nur mal eine Aussage. Ein deutscher Reisepass allerdings, zeigt an, dass der Besitzende ein deutscher Staatsbürger ist und damit auch unter dem Schutz des deutschen Rechtes steht – sowie in Notfällen mit der Rettung oder zumindest Hilfe, durch die deutsche Regierung rechnen darf.

Die Taufe ist ein äußeres Zeichen der Abwendung vom Bösen. Die Taufe zeigt an, dass der Täufling nun mit der Staatsbürgerschaft: Reich Gottes ausgestattet ist. Mit der Taufe begibt sich der Täufling unter die Herrschaft und den Schutz seines lebendigen Gottes.

Mit der Taufe ist von Gottes Seite her alles Nötige getan – es braucht nur noch das Ja des Täuflings – das Ja, das Marcel und Melanie heute sagen wollen und das die als Babys getauften bei ihrer Konfirmation bestätigen sollen.

Ja zur Adoption

Ja zur Gnade Gottes

Ja zum Bund mit Gott

Ja zum Tod des alten Menschen und Ja zum Leben des neuen Menschen

Ja zur Herrschaft Gottes im eigenen Leben

Doch lassen wir uns nicht täuschen, die Taufe ist kein einmaliges Geschehen, sondern braucht immer wieder neu die Entscheidung, das Leben mit Jesus leben zu wollen.

Dieser Aspekt – dass wir immer wieder neu eine Entscheidung treffen müssen zu Jesus zu gehören – wird auch in unserem Predigttext, bzw. in dem Absatz direkt davor deutlich: Im Evangelium des Johannes, im 16. und 17. Kapitel redet Jesus mit seinen Jüngern. Sie sagen zu Jesus, dass sie glauben, dass er der Sohn Gottes sei. Die Jünger haben also erkannt, dass Jesus der Messias ist, der Retter auf den das jüdische Volk schon so lange gewartet hat. Doch was sagt Jesus dazu? Sagt er: Klasse, endlich habt ihr es gecheckt? Nein. Jesus weiß, dass sie schon bald – bei seiner Gefangennahme – davon laufen werden. Und dennoch oder gerade deshalb, spricht Jesus ihnen Mut zu, und Trost – Jesus sagt: Seid beruhigt und im Frieden – egal was um euch herum ab geht, fürchtet euch nicht, denn ich – Jesus – habe die Welt besiegt.

Es ist bei uns oft so nah beieinander: Glaube und Unglaube, Glaubensmut und Feigheit.

Und doch gilt diese Zusage Jesu für uns Alle: als Christen, als Jesu Nachfolger ist Jesus auch dann bei uns, wenn wir versagen!

Im Predigttext geht es dann so weiter, – und weil wir den Abschnitt bereits vorher in der Schriftlesung gehört haben verzichte ich darauf, den Text nochmal vorzulesen – im Predigttext ist es so, dass kurz vor seiner Gefangennahme, Jesus noch einmal ins Gebet geht. Das Ziel seines Gebetes ist es, dass die Herrlichkeit Gottes des Vaters allen Menschen bekannt wird. Denn das ist es, was Jesus möchte: dass wir Menschen durch und in ihm (Jesus), den Vater im Himmel erkennen.

Jesus betet, wie es gewesen ist: Nämlich, dass Jesus seine Jünger von Gott seinem Vater erhalten hat. Dass diese Jünger erkannt haben, dass das was Jesus sagt und tut tatsächlich im Sinne Gottes ist. Dass diese Jünger sich nach dem Wort Gottes ausrichten. Und dass diese Jünger glauben und erkannt haben, dass Jesus im Auftrag Gottes zum Menschen geworden ist.

Ich versuche das mal in fünf Aussagen zu fassen, denn das gilt auch heute noch für alle Christen, denn als Christen sind wir Jünger Jesu.

1. Wir haben keinen Grund stolz zu sein, Christen zu sein – denn es ist nicht unser Verdienst, sondern der Verdienst Gottes. Es ist ein Vorrecht – aber keines das wir uns verdient haben. Er hat uns erwählt!

Wenn wir im Makarios mit z.B. muslimischen Jugendlichen über den Glauben reden, dann stehen wir zu unserer Überzeugung, dass es nur in Jesus ewiges Leben gibt. Denn das ist es, was in der Bibel steht. Wenn aber jemand diese Überzeugung nicht teilt, dann ist er uns trotzdem gleich willkommen wie derjenige, der dies tut. Wir respektieren den Glauben oder Unglauben des Anderen.

2. Wir sollten uns mit Freude und Überzeugung nach dem Wort Gottes richten, denn das ist die Grundlage für unser Leben. Und die Bibel hat viel zur persönlichen Gestaltung des Lebens zu sagen. Lassen wir zu, dass das was die Bibel für richtig hält ganz anders ist als das was wir bisher denken? Oder als das was die Gesellschaft für richtig erachtet? Es lohnt sich rein zu lesen.

3. Wir dürfen und sollen Glauben, dass das was Jesus getan und gesagt hat, wirklich das ist, was Gott ihm aufgetragen hat. Jesus sagt an einer Stelle (Joh.5,19), dass er nur das tut, was er von seinem Vater im Himmel sieht. Jesus ist entweder der Sohn Gottes oder ein Betrüger. Es gibt nichts dazwischen. Denn wer so redet, wie Jesus es tat, ohne dass er diese Legitimation – nämlich Sohn Gottes zu sein – hat, der ist ein Betrüger.

Glauben wir an Jesus den Sohn Gottes – KEIN Betrüger.

4. In Jesus Christus ist Gott Mensch geworden. Jesus ist nicht nur ein Vorbild. Jesus ist nicht nur ein Mensch, dem es besonders gut gelungen ist, ein guter Mensch zu sein. Jesus ist der Sohn Gottes – gezeugt und nicht geschaffen – heißt es im nicänischen Glaubensbekenntnis. Das bedeutet: ganzer Mensch und trotzdem ganzer Gott!

5. Und als Christen gehören wir IHM -Jesus. Gott der Vater hat uns Menschen diesem Jesus anvertraut. Er ist für uns da und wird für uns sorgen.

Vielleicht ist es so, dass Sie einige oder auch viele meiner Aussagen nicht so recht glauben können oder gar ablehnen. Mag sein, Sie haben ganz andere Erfahrungen gemacht, sie sind von Christen verletzt worden oder vom christlichen Glauben enttäuscht. Wie es auch ist: ich glaube, dass es sich lohnt, sich neu auf Jesus einzulassen und mit ihm den Lebensweg weiter zu gehen. Versuchen Sie es. Suchen sie das Gespräch mit Menschen, die Jesus kennen und zu denen sie vertrauen haben. Lesen Sie die Bibel. Lassen Sie für sich beten – beten sie selber. Dass Jesus wirklich lebt, davon bin ich überzeugt, das wird für jeden erlebbar, der sich auf den Weg macht.

Amen