Umkehr!

Predigt in der Südkirche am Sonntag 11.Januar 2015, 1.Sonntag nach Epiphanias, Matthäus 3, 13-17

Der Mann stand am Fluss. Er war dünn. Hatte langes ungepflegtes Haar und einen ziemlich unansehnlichen Bart. Als Kleidung diente ihm ein Gewand aus Kamelhaaren und ein Gürtel um seine Lenden. Man sah ihm an, dass er sich von Heuschrecken und von wildem Honig ernährte. Dabei war er nicht direkt schmutzig. Nein, das nicht. Aber in seinem Aussehen spiegelte sich wieder, dass er alleine lebte, weit weg von anderen Menschen als Einsiedler.

Viele Menschen kamen um zu hören, was er zu sagen hatte. Aus allen Dörfern gingen sie dort hin, wo er sich gerade aufhielt um zu predigen. Die Leute sprachen von ihm, wie von einem Heiligen. Er war für sie ein Prophet Gottes. Wenn man die Leute fragte, wer dieser Mann sei, dann nannten viele einen Vers aus dem Propheten Jesaja, in dem es hieß: „Hört, eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet seine Pfade!“ Damit wollten die Leute sagen, dass dieser Mann derjenige ist, der den Messias, den Retter ankündigt und diesem voraus geht.

Auf jeden Fall war er ein Mann der sein Leben in besonderer Weise in den Dienst Gottes stellte. Die Leute erwarteten, dass Gott durch ihn redete. Sie hofften, dass er ihnen sagen konnte, was sie tun müssten um vor Gott gerecht zu sein – um Gott zu gefallen.

Seine Predigten hatten immer wieder das selbe Thema, er sagte: “Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Er meinte damit, dass der Messias bald schon kommen würde und dass es notwendig sei, das eigene Leben zu ändern und mit Gott neu zu beginnen.

Seit einigen Wochen taufte dieser Mann die Leute im Jordan. Er taufte sie zur Buße – als Zeichen ihrer Umkehr hin zu Gott. Die Menschen bekannten ihre Sünden, wurden untergetaucht und waren danach rein von Schuld.

Was den Leuten gut gefiel war, dass er auch den Frommen – denjenigen die meinten, dass sie vor Gott alles richtig machen würden – deutlich sagte, dass Gott auch bei ihnen keine Ausnahme dulden würde. Auch sie wären Sünder und könnten sich nicht auf ihre Abstammung oder ihren Rang berufen. Nur wer umkehrt und sein Leben verändert, sein Leben neu auf Gott hin ausgerichtet lebt, wird Gottes Gnade erfahren.

Und er sprach auch vom Messias. Von dem Mann also, der Israel befreien und erlösen würde. Manches war unverständlich, aber eindrücklich. Er sagte solche Sätze wie: „Ich taufe euch mit Wasser als Bestätigung für eure Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich; ich bin es nicht einmal wert, ihm die Sandalen auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Er hat die Worfschaufel in der Hand und wird damit die Spreu vom Weizen trennen. Den Weizen wird er in die Scheune bringen, die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.“

Auch heute würde er wieder predigen und taufen. In langen Schlangen stehen die Leute um von diesem Mann Gottes getauft zu werden. Da sieht Johannes der Täufer – so wurde er von den Leuten genannt – seinen Cousin. Er hat ihn schon länger nicht mehr gesehen, doch er erkennt ihn sofort. Johannes weiß, dass es für das Leben seines Cousins große Verheißungen gibt. Johannes weiß, dass es erstaunliche Ereignisse gab, als sein Cousin geboren wurde und dass die Art und Weise wie er gezeugt wurde sehr mysteriös war. Doch als er ihn erblickt erkennt er – weniger aus seinem Wissen, als aus seinem inneren Hören auf Gott – dass dieser Mensch wahrhaftig der Messias Gottes ist. Und dieser Messias kommt nun zu ihm und will von ihm getauft werden? Nein, das kann nicht sein. Johannes kann es nicht fassen, dass er den Messias als Zeichen seiner Buße taufen soll. Er spürt, dieser Mensch hat eine Umkehr gar nicht nötig. Dieser Mensch ist so rein, so nah an Gott. Er ist ohne Schuld.

Johannes sagt: „Ich hätte es nötig, mich von Dir taufen zu lassen, und Du kommst zu mir?“

„Lass es für diesmal geschehen! Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert!“ ist die Antwort seines Vetters.

Und so lässt Johannes es zu. Sein Vetter Jesus kommt zu ihm und lässt sich von ihm taufen. Er taucht ihn unter, wie die anderen Täuflinge. Er spricht über ihm die Vergebung der Sünden aus und die Aufforderung nun ganz nach den Geboten Gottes zu handeln. Er hebt diesen Jesus auf und lässt ihn zurück ans Ufer gehen.

Dann geschieht etwas unglaubliches. Es ist als ob der Himmel sich öffnet. Da, ein Vogel – es ist eine Taube. Sie fliegt aus dem geöffneten Himmel und landete auf Jesus. Eine Stimme ist zu hören: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Es scheint so, als ob Gott selber zeigen will, dass dieser Jesus der Messias ist, den Israel erwartet. Der Messias, der Israel befreien und erlösen soll. Dieser Jesus, der Vetter von Johannes dem Täufer, Sohn von Maria und dem Zimmermann Josef, der Messias Israels.

Soweit mein Versuch, unseren Predigttext mit einer Geschichte zu erzählen. Weil ich in meine Erzählung aber auch Informationen einfliessen lassen habe, die zwar in der Bibel, nicht aber im Predigttext stehen und eine Erzählung immer auch Interpretation ist, möchte ich nun gleich den Originaltext lesen. Einfach damit für sie klar ist, was sind die biblischen Fakten.

Der Predigttext ist Matthäus 3, 13-17.

Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s geschehen. Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Als ich angefangen habe, mich mit dem Predigttext auseinander zu setzen, habe ich unter anderem auch eine Teenagerin gefragt, welche Fragen ihr kommen, wenn sie den Text liest. Die Antwort kam schnell und klar: Warum fordert Gottes Gerechtigkeit, dass Jesus (der frei von Sünden ist) von Johannes getauft wird? Das halte ich für eine gute Frage!

Zumal, auch Johannes der Täufer kann es nicht verstehen, warum Jesus getauft werden soll. Und wie geht es Ihnen? Die Antwort, die Jesus dem Johannes gib: „weil es uns gebührt, alle Gerechtigkeit zu erfüllen“, ist auch nicht gerade erhellend, sondern zunächst einmal eher unverständlich.

Um es zu verstehen, warum Jesus sich von Johannes hat taufen lassen, müssen wir uns einige Tatsachen über Jesus und sein Wesen vor Augen führen.

Da ist zum Einen dies, dass Jesus vor der Schöpfung bereits bei Gott war. Und dass Jesus in allem vollkommenen Gehorsam gegenüber Gott gezeigt hat. Jesus sagt über sich und den Vater im Himmel, dass sie Eins seien! Das bedeutet, dass nichts zwischen Jesus und Gott steht. Es bedeutet, dass Jesus ohne Sünde ist.

Da ist zum Anderen, dass dieser Jesus seine Göttlichkeit aufgegeben hat um Mensch unter Menschen zu sein. Er wurde geboren, er musste essen und trinken, auf´s Klo gehen und er musste sterben. Wenn Jesus aber ganz Mensch war, dann war er auch Sünder – denn alle Menschen sind Sünder – auch wenn Jesus ohne Sünde war.

Jesus stellt sich also damit, dass er sich von Johannes zur Buße taufen lässt, ganz in sein Menschsein hinein! Weil Jesus wahrer Mensch war, wenn auch ohne Sünde, deshalb musste er auch behandelt werden wie ein Mensch, wie ein Sünder. Er stellt sich ganz und gar auf eine Stufe mit uns.

Das meint Jesus damit, wenn er sagt: „Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“

Und wenn wir uns die Bedeutungen der Taufe des Johannes vor Augen führen, wird schnell klar, dass in Jesus diese Bedeutungen in Erfüllung gehen.

Johannes tauft die Sünder zur Vergebung der Sünden. Und tatsächlich wird Jesus ja bei seiner Kreuzigung zum Sünder, weil er die Sünden der Menschheit trägt.

Johannes tauft um das Gericht Gottes von den Menschen abzuwenden. Und tatsächlich wird Jesus ja zu dem, der das Gericht Gottes trägt.

Johannes tauft, damit die Gnade Gottes für die Menschen spürbar wird. Und tatsächlich wird durch Jesus die Gnade Gottes erfahrbar, weil er alle Schuld, alles was uns von Gott trennt auf sich genommen hat.

Dann wird von drei Wunderzeichen berichtet. Diese bestätigen die Rechtmäßigkeit der Taufe. Das erste Zeichen ist:

1. Der Himmel öffnet sich
dieses Wunder symbolisiert, dass der Weg in den Himmel geöffnet wird. Jesus macht den Weg frei, durch seinen Gehorsam. Durch Jesus ist es möglich in den Himmel zu kommen. Auch für uns ist es möglich. Wir müssen dafür nur eines tun: die ausgestreckte und zupackende Hand Gottes nicht abschütteln oder ausschlagen! Wir sollten vielmehr zupacken! Und dem einen Nachfolgen. Jesus. Was heißt es Jesus nachzufolgen?

Nachfolgen heißt: immer mehr diesem Jesus ähnlich werden. Immer mehr zu denken, zu fühlen und zu handeln wie er es täte. Doch wie ist das möglich?
Dazu benötigen wir das zweite Zeichen:

2. Der Heilige Geist kommt herab.
obwohl Jesus durch den Heiligen Geist empfangen wurde, und er schon als Teenager darum wusste, dass er eine besondere Berufung hat und Gott sein Vater ist – wird hier beschrieben, dass der Heilige Geist neu oder auch in neuer Weise zu Jesus kommt. Diese Neuausrüstung mit dem Heiligen Geist, scheint nötig, damit Jesus seinen Verkündigung und Heilungsdienst beginnen kann.
Wenn wir die Bibel lesen, dann sehen wir übrigens des öfteren davon, dass der Heilige Geist zwar an Menschen handelt, sie getauft sind und Jesus nachfolgen aber trotzdem noch den Heiligen Geist benötigen. Nachzulesen z.B. in Apostelgeschichte acht.

Ich bin davon überzeugt, dass wir alle immer wieder neu die Fülle des Heiligen Geistes in unserem Leben brauchen. Der Heilige Geist ist es, der uns hilft Jesus nach zu folgen. Er ist es, der in uns bewirkt, dass wir immer mehr denken, fühlen und handeln, wie Jesus. Und Jesus sagt selber, dass wir um den Heiligen Geist bitten sollen und vertrauen dürfen, dass Gott ihn uns geben wird.
Das dritte Zeichen kann auf diesem Weg der Nachfolge hilfreich sein.

3. Eine Stimme spricht.
Die Stimme, die spricht ist ein Zeichen der Unmittelbarkeit Gottes des Vaters zu seinem Sohn Jesus. Er spricht direkt mit und zu ihm. Er versichert ihm seine Liebe und die Gewissheit, dass er – Jesus – seinen Auftrag erfüllen wird. Jeder Sohn (und auch jede Tochter) wünscht sich solch eine klare Ansage und Zusage des Vaters!

Ich vermute mal, dass die wenigsten von uns erleben werden, dass Gott hörbar zu ihnen spricht. Ich bin aber überzeugt und habe das schon oft erfahren: Gott redet auch heute noch. Wie redet Gott? Auf vielerlei Arten. Z.B. durch die Bibel. Durch andere Menschen. Durch Lieder. Durch innere Bilder. Durch das Ergebnis einer Diskussion. Und auf viele weitere Arten und Weisen.
Wenn wir versuchen alle unsere eigenen Interessen hinten an zu stellen. Wenn wir versuchen unser Ego, unsere vermeintliche Wichtigkeit zurück zu stellen. Wenn wir Gott bitten zu reden und versuchen im Geiste des Evangeliums eine Situation oder Fragestellung zu beurteilen, dann glaube ich, dass wir Gottes Reden erleben werden. Und auch, wenn wir irren – wird Gott uns einen guten Weg weiter führen.

Trotzdem bleibt die Schwierigkeit, zu erkennen wo Gott redet und wo nicht. Oftmals erkennen wir das nur im zurück blicken.

Dieses Thema wäre eine eigene Predigtreihe wert. Leider ist heute dazu nicht genug Zeit. (Mehr dazu hier)

Ich komme bereits zum Fazit:

Der Weg ist frei, durch Jesus. Er hat uns den Weg geebnet, dass wir ewiges Leben bekommen. Wir sollten ihm Nachfolgen, indem wir immer mehr denken, fühlen und handeln wie Jesus. Nachfolgen ist aktiv. Damit uns das möglich ist, benötigen wir immer wieder die Kraft und die Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist nicht verfügbar, aber wir können ihn erbitten. Deshalb sollten wir regelmäßig beten, dass Jesus uns mit dem Heiligen Geist erfüllt. Und damit wir Gottes Willen erkennen, sollten wir uns auf Jesus ausrichten und versuchen zu hören, was er uns sagt.

Die Südkirchengemeinde ist gerade in einer Umbruchssituation, das wissen Sie ja alle. Für diese Situation ist der Auftrag des Predigttextes folgender: Die Verantwortlichen in der Gemeinde, der Kirchengemeinderat, die Pfarrer, die Vorsitzende, der Dekan usw. haben einen verantwortungsvollen und schwierigen Job. Nämlich zu erkennen, was in der momentanen Situation das ist, was Gott für die Kirche in Esslingen und für die Südkirchengemeinde will. Ich lade Sie alle ein und bitte Sie dafür zu beten, dass es den Entscheidungsträgern gelingt zu erkennen was der Wille Gottes ist und dass sie die Kraft und den Mut haben es dann auch um zu setzen.

Amen

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