Machine Gun Preacher

Was dahinter steckt!

Vor einiger Zeit habe ich mir den Film: „Machine Gun Preacher“ angesehen. Auf den Film aufmerksam geworden, bin ich durch einen Freund der ihn gesehen hatte und, ausgelöst durch den Film, mit mir ins Gespräch kommen wollte, in wie fern man als Christ in Notwehr zur Waffe greifen darf. Dabei kamen wir auch noch auf die Frage, darf man evtl. sogar voraus greifend Gewalt anwenden, um Gewalt ab zu wenden? Oder anders gesagt: Kann und darf man als Christ zur Waffe greifen um für Gerechtigkeit zu sorgen? – also Selbstjustiz üben?

Hintergrund

Muchine Gun Preacher

Die Geschichte des Films, der auf der Lebensgeschichte von Sam Childers beruht, ist schnell erzählt. Ein Rocker findet zu Jesus. Wird für ein Hilfsprojekt in Afrika angeworben. Erlebt, dass das was er mit aufgebaut hat, von Rebellen/Terroristen zerstört wird . Erlebt wie die Rebellen die Kinder, für die er ein Waisenhaus gebaut hat, zu Kindersoldaten ausbildet. Beschließt diesem Treiben aktiv entgegen zu treten, indem er selbst zur Waffe greift. Identifiziert sich schließlich so sehr mit seinem Projekt und den Kindern, dass er das Maß verliert und beinahe alles – sein Familie und sein Leben wegwirft. Im letzten Moment bekommt er die Kurve. Er ist noch heute aktiv – seine Seite bei Facebook: https://de-de.facebook.com/mgpsamchilders

Von Menschen und Göttern

Das „Gegenstück“ zu diesem Film, habe ich ca. ein Jahr vorher angeschaut. „Von Menschen und Göttern“. Ein Film nach der wahren Begebenheit in einem Kloster in Algerien. Dort lebten bis 1996 neun Trappisten-Mönche friedlich mit der vorwiegend muslimischen Bevölkerung Algeriens in Einklang, bis sieben der Mönche, aus bisher nicht geklärten Gründen ermordet wurden. Der Film schildert die Ereignisse und atmosphärischen Veränderungen, die diesen Morden vorangingen, und zeigt die Stimmungsschwankungen der Mönche zwischen Todesangst und Gottvertrauen. Diese Trappistenmönche wissen, dass ihre Nicht – Bereitschaft das Land zu verlassen, ihren Tod bedeuten kann. Sie bleiben, weil sie die Menschen die ihnen anvertraut sind, nicht verlassen wollen. Bedroht von Islamisten und dennoch gewaltlos bis zum Tod.

The Mission

Schon früh in meinem Christsein hat mich ein dritter Film geprägt, der das Thema Gewalt und Christsein aufgreift. Und zwar beide möglichen Varianten von Gewaltverzicht und Notwehr bzw. Selbstverteidigung. Der Film „The Mission“ von 1986, erzählt auf dem wahren historischen Hintergrund des Jesuitenordens in Südamerika, die Lebensgeschichte zweier Priester, die der Vertreibung der Indios völlig unterschiedliche begegnen. Mendoza, ein ehemaliger Sklavenhändler versucht mit Gewalt die portugiesischen Soldaten auf zu halten. Gabriel, der „Urmssionar“ der Indios feiert einen Gottesdienst, während sie von den Soldaten massakriert werden. Interessant erscheint mir insbesondere eine Szene gegen Ende des Films, als Mendoza um Gabriels Segen für seinen gewaltsamen Kampf bittet. Dieser verweigert ihm diesen mit dem Hinweis, dass wenn Mendoza recht hätte, dann hätte er den Segen Gottes. Und wenn er unrecht hätte, dann würde auch der Segen Gabriels nichts daran ändern.

Diskussion

Doch nun zur eigentlichen Frage, inwieweit Gewalt als Mittel für „eine gerechte Sache“ oder im Sinne von für „Gerechtigkeit zu sorgen“ für Christen eine Möglichkeit darstellt.

Christentum und die Lehre Jesu

Das Christentum ist auf der einen Seite dafür bekannt, dass es über die Jahrhunderte nicht mit Gewaltverzicht geglänzt hat. Kreuzzüge, Heidenmissionierung durch das Schwert, Hexenverbrennungen uvm. werden, zurecht, als Beleg dafür genommen, dass das Christentum nicht friedlich ist. Entscheidend ist aber nicht das, was die Christen tun oder getan haben, sondern das was Jesus gesagt und getan hat.

Christlicher Pazifismus

Auf der anderen Seite gibt es aber auch zahlreiche Beispiele von Christen, die Gewaltverzicht als klaren Auftrag Jesu begriffen. Franz von Assisi ist hiervon sicherlich das bekannteste Beispiel. In neuerer Zeit Martin Luther King. Aber auch die Mennoniten und Quäker – als christliche Gemeinschaften, halten den absoluten Gewaltverzicht als unabdingbar für das Christsein. Und wenn man aktuell die Aussagen christlicher Leiter in den Ländern des arabischen Frühlings betrachtet, wird deutlich, dass der Verzicht auf „Gegengewalt“ noch immer ein wichtiger Teil christlicher Lehre und des christlichen Lebens ist.

Hier gibt es einige Verse aus dem neuen Testament (und nur diese können herangezogen werden) die gegen Gewalt sprechen:

Matthäus 5,9 Glücklich zu preisen sind die, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.

Matthäus 5, 38f Ihr wisst, dass es heißt: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: Setzt euch nicht zur Wehr gegen den, der euch etwas Böses antut25. Im Gegenteil: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halt ihm auch die linke hin.

Matthäus 5,43f Ihr wisst, dass es heißt: Du sollst deine Mitmenschen lieben, und du sollst deine Feinde hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen

Matthäus 26, 51f Da griff einer von Jesu Begleitern nach seinem Schwert, ging damit auf den Diener des Hohenpriesters los und schlug ihm ein Ohr ab. Doch Jesus sagte zu ihm: Steck dein Schwert zurück! Denn alle, die zum Schwert greifen, werden durchs Schwert umkommen.

Keiner dieser Verse taugt aus meiner Sicht als Argument für einen totalen Gewaltverzicht, in dem Sinne, dass man auch aus Notwehr heraus keine Gewalt anwenden soll, oder dass für die Durchsetzung von Gerechtigkeit nicht auch der Einsatz von Gewalt gerechtfertigt ist. Allerdings machen diese Verse klar, dass dies niemals eine einfache Entscheidung ist.

Wie schwierig diese Dinge sind, wird an vielen heutigen Kriegen deutlich. Ob in Afghanistan, oder im Irak, oder in anderen Ländern des sogenannten arabischen Frühlings – wenn man sich beteiligt, oder beteiligt hat, dann kann selbst bei besten Absichten die eigene Verstrickung in das Unrecht nicht verhindert werden – oder gar, dass etwas schlimmeres ermöglicht wird, als das was man zuvor bekämpft hat.

Dietrich Bonhoeffer hat in seinen Überlegungen zum Attentat auf Hitler diese Spannung deutlich aufgearbeitet. Egal was er tut – er wird schuldig. Sein Entschluss, sich am Attentat auf Hitler zu beteiligen findet nur darin seine Rechtfertigung, dass er damit meint, schlimmeres zu verhindern.
“Als ihn Dohnányi fragt, ob Christen sich an einem Mord beteiligen dürften, antwortet er, Mord bleibe Mord, auch wenn er wie im Fall Hitlers unbedingt notwendig sei. Aber man müsse bereit sein, die Schuld dafür auf sich zu nehmen. Wenn er an Hitler herankäme, würde er selbst die Bombe werfen.” Zitat von Deutschlandradio

Fazit

In Lukas 9,55f sagt Jesus, auf die Frage der Jünger (Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet): Ihr wisst nicht (od. Wisst ihr nicht), welcher Geist euch bestimmt (od. bestimmen soll). Denn der Menschensohn ist nicht gekommen, um das Leben der Menschen zu vernichten, sondern um es zu retten.
Aus meiner Sicht der Schlüssel zu der Frage nach Gewalt. Die Frage muss sein: Entspricht mein Handeln dem “Geist Jesu”? Und die Antwort kann dann, je nach Mensch, je nach Lebensgeschichte, je nach Situation ganz unterschiedlich ausfallen. Gewalt auszuüben führt meiner Meinung nach allerdings immer dazu, schuldig zu werden – auch wenn man damit vielleicht “größere” Schuld vermeiden kann.

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