Die Weisheit des Down-Syndrom Kindes

Eine bewegende Erzählung aus dem Buch: „Der vierte Musketier“, Leben im Dienst des Königs, Inspiration für Männer, Henk Stoorvogel & Theo van den Heuvel – www.der4temusketier.de – das ganze Buch ist sehr lesenswert.

Jonathan war mit dem Downsyndrom geboren worden und war Teil einer Sonntagsschulklasse, deren Kinder alle ungefähr acht Jahre alt waren. Die anderen Kinder hatten Probleme damit, Jonathan mit seinem „Anderssein“ zu akzeptieren. Aber die Gruppenleiter bemühten sich immer wieder kreativ, Jonathan zu integrieren. Nichtsdestrotrotz blieb etwas an Distanz. Am Sonntag nach Ostern brachte die Sonntagsschullehrerin einige Kisten mit. in denen einmal Socken gelegen hatten. Sie hatten die Form großer Eier. Damit sollte die Klasse etwas Schönes gestalten. Jedes Kind erhielt ein Ei. Die Aufgabe lautete, etwas zu finden, das für neues Leben steht. Die Kinder sollten ihr Symbol in der eiförmigen Kiste aufbewahren. Dann wollten sie zusammen in der Klasse die Eier öffnen und nachschauen, was sie gefunden hatten.

Zurück in der Klasse stand der Tisch voll mit „Eiern“. Die Sonntagsschullehrerin öffnete eins nach dem anderen. In einem steckte eine Blume, in einem anderen ein Schmetterling, in wieder einem anderen ein Blatt. Begleitet von begeisterten Rufen der Kinder öffnete die Lehrerin das nächste Ei.

Es war leer.

Die Kinder riefen, dass das dumm und unfair war. Sie waren entsetzt, dass jemand sich nicht an die Aufgabe gehalten hatte. Da flüsterte Jonathan leise:“Das ist von mir“.

Die Kinder stöhnten, dass Jonathan auch nie etwas richtig machen konnte. Aber Jonathan sagte nachdrücklich: „Es ist leer. Leer. Das Grab war leer!“

Da wurde es still in der Klasse. Jeder staunte über Jonathans Ei. Und von diesem Moment an umarmten die Kinder Jonathan und nahmen ihn an. Er wurde völlig und ganz akzeptiert.

Kurz darauf starb Jonathan. An einer Infektion, die Kinder ohne Behinderung meinst problemlos überlebt hätten. Bei seiner Beerdigung traten die Kinder der Sonntagsschulklasse geschlossen mit ihrer Lehrerin an den Sarg. Jeder von ihnen hielt etwas in Händen. Es waren keine Blumen. Jedes Kind legte eine eiförmige Kiste, in der einmal Socken aufbewahrt waren, auf den Sarg. Sie waren alle leer.

 

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