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Die Bibel

„Ihr Christen habt in eurer Obhut ein Dokument mit genug Dynamit in sich, die gesamte Zivilisation in Stücke zu blasen, die Welt auf den Kopf zu stellen; dieser kriegszerrissenen Welt Frieden zu bringen. Aber ihr geht damit so um, als ob es bloß ein Stück guter Literatur ist, sonst weiter nichts.“

Dies sagt kein anderer als Mahatma Gandhi, indischer Freiheitskämpfer, und Verfechter des gewaltfreien Widerstandes über die Bibel

 

Vor wenigen Wochen im Irak. Ein 9 jähriges Mädchen presst ein Buch auf seine Brust und sagt mit fester Stimme, ohne meine Bibel geh ich nicht von hier weg. Die Eltern, irakische Christen wissen nicht was sie tun sollen. Sollten sie bei Ihrer Flucht angehalten und durchsucht werden, könnte diese Bibel sie alle das Leben kosten. Schließlich darf das Kind die Bibel mitnehmen – nachdem sie gemeinsam gebetet haben, dass Gott die Familie schützen möge.

Diese wahre Geschichte veröffentlichte Open Doors, eine Organisation, die sich für verfolgte Christen einsetzt, in ihrem letzten Freundesbrief.

 

Am Tag nachdem ich zum ersten Mal die Bibel gelesen hatte, fühlte ich mich, als hätte ich ein Ufo gesehen.

Eine Aussage von Xavier Naidoo, Deutscher Soulsänger

 

1981. Es ist dunkel. Ein Schiff setzt Anker direkt vor der Küste. Menschen in kleinen Booten fahren hinaus und laden Bücher in ihre Boote. Das große Schiff hat bei Nacht und Nebel die Küstenwache umschifft und bringt in dieser Nacht 1 000 000 Bibeln in ein Land, in dem der Besitz einer Bibel mit Arbeitslager bestraft wird. Alles Beteiligten müssen damit rechnen ins Gefängnis zu kommen, wenn sie erwischt werden. Vor allem die Einheimischen müssen mit Arbeitslager rechnen, oder mit schlimmeren. Doch diese Menschen sind bereit das Risiko zu tragen, damit die Bibeln unter die Menschen kommt.

Diese Geschichte erzählt Bruder Andrew, der einen Großteil seines Lebens damit verbracht hat, Bibeln in Länder zu schmuggeln, in denen der Besitz einer Bibel bestraft wird.

 

Ja, der Glaube gibt mir Halt. Und die Bibel. Die Bibel ist mein Lieblingsbuch.

Cacau, Fussballnationalspieler des VFB Stuttgart

 

Nur fünf Geschichten, bzw. Aussagen zum Buch der Bücher. Und vielleicht fragen Sie sich, ob es wirklich sein kann, dass diese Menschen von der Bibel sprechen bzw. für die Bibel so gefährliche Dinge auf sich nehmen.

Während in Deutschland und vielen anderen Ländern die Bibeln, auch bei Christen, im Regal verstauben und viele Menschen zwei oder mehr Bibel haben, aber keine davon lesen – gibt es für Christen vor allem in Ländern wie China und Nordkorea nichts wertvolleres als eine Bibel zu besitzen.

Was macht eine Bibel für die einen Christen in manchen Ländern so wertvoll – während viele Menschen, auch Christen in Deutschland ihre Bibel im Regal verstauben lassen?

Zum einen Angebot und Nachfrage

Ein bisschen ist es sicher so, dass der Wert einer Bibel auch daran liegt, wie einfach es ist eine zu besitzen. Etwas, das wir jederzeit zur Verfügung haben, ist emotional nicht so wertvoll, wie etwas, um das wir uns bemühen müssen um es zu bekommen. Doch das alleine kann es nicht sein. Denn die Erfahrung lehrt ja, dass wenn man dann das hat, um was man sich bemüht hat – nach einiger Zeit seinen Reiz verliert.

Viele Christen, und da gibt es wenig Unterschiede zwischen den Christen im Irak, in den USA, in China oder Deutschland, oder wo auch immer auf der Welt, lesen ihre Bibel täglich, und das obwohl sie diese u.U. schon lange besitzen.

Was könnte der Grund dafür sein?

Ich meine, der entscheidende Faktor sind die Erwartungen, welche wir an die Bibel haben.

Was erwarten wir von der Bibel?

Viele Menschen, auch Christen erwarten nichts, oder zumindest nicht viel. Sie erwarten, wenn sie die Bibel lesen, nicht zu verstehen, was da steht. Sie erwarten irgendwelche Aussagen, die nichts mit dem eigenen Leben zu tun haben. Sie erwarten eine Sprache, die aus dem letzten Jahrtausend stammt.

Doch das muss nicht so sein. Was kann uns die Bibel „bieten“?

  1. Informationen zu Gott – Wer ist Gott, wer ist Jesus, was hat er getan, wie denkt er über mich? Die Bibel ist das Informationszentrum, wenn es um den christlichen Glauben geht. Jesus ist der Sohn Gottes – und er ist mein Bruder. Jesus ist mein Heiland und Erlöser, mein Retter und Herr – und er ist mein Freund. Jesus ist gestorben, weil er MICH liebt! Das alles und noch viel mehr erfahre ich aus dem lesen der Bibel. Wer lesen kann und es tut ist eindeutig im Vorteil.
  2. Dann kann uns die Bibel Informationen darüber geben, wie das Leben als Christ gelebt werden kann – nicht nur in den zehn Geboten. Wenn jemand sich viele Sorgen macht, dann sagt die Bibel: alle Deine Sorgen können Dein Leben keine Sekunde verlängern – vertraue Gott – er wird es recht machen. Wenn jemand verletzt wird – durch ein böses Wort, oder durch eine Tat – dann sagt die Bibel: vergib denen die schuldig an Dir geworden sind, und verhindert damit Bitterkeit in unserem Leben, Bitterkeit, die nicht dem schadet, der uns verletzt hat, sonder wiederum uns selber.
  3. Die Bibel kann uns Trost geben – in schwierigen Lebenssituationen können die Erfahrungen der Menschen in der Bibel Trost spenden. Oder Verheißungen der Bibel werden lebendig und ermutigen uns weiter zu gehen. Wir erkennen: diese eine Aussage, die vielleicht vor tausenden von Jahren aufgeschrieben wurde, gilt jetzt auch für mich → und hilft mir die schwierige Situation zu überstehen.
  4. Die Bibel kann Wegweisung geben – anhand vieler Beispiele von Menschen früherer Zeiten, können wir sehen, wie Gott mit Menschen einen Weg geht und wie man seinen Weg mit Gott gehen kann.
  5. Und die Bibel stärkt meinen Glauben – durch das regelmäßige Bibellesen, wird mein Vertrauen in Gott gestärkt. Dinge die ich für unmöglich gehalten habe, scheinen mir plötzlich möglich – wo ich bisher an Gott verzweifelt bin, kann ich jetzt an Gott festhalten.

 

Die Bibel bietet also durchaus wichtige und interessante Informationen. Aber man muss sich auf den Weg machen, diese zu bekommen. Und dazu lade ich sie herzlich ein.

Am Ende des Johannesevangeliums steht: „Diese Geschichten wurden geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist und ihr durch den Glauben an ihn das ewige Leben habt“.

Ich selber bin begeisterter Bibelleser. Fast täglich nehme ich mir ein wenig Zeit ein Kapitel zu lesen. Manchmal finde ich das so spannend, dass ich einfach weiter lese. Manchmal finde ich es so langweilig und ermüdend, dass ich mich durchkämpfen muss. Auch wenn ich, trotz meiner theologischen Ausbildung, manchmal nicht verstehe was da steht, lese ich weiter und vertraue, dass das Wort Gottes in mir weiter wirkt.

Ich lese die Bibel von vorne bis hinten und wenn ich bei Offenbarung 22,21 angekommen bin (der letzte Vers der Bibel, dort steht übrigens: Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen! ) dann gönne ich mir eine neue Bibel mit einer neuen Übersetzung, das macht Spaß und ist interessant, bekannte Bibelstellen auch mal anders zu lesen, als man es gewöhnt ist.

Ich fasse zusammen:

  1. Nimm eine Bibelübersetzung, die Worte und Satzbau der heutigen Zeit übernimmt. z.B. die Volxbibel als Jugendlicher, oder Das Buch (Übersetzung von Roland Werner) oder die Neue Genfer Übersetzung.
  2. Bete vor dem Lesen, dass Gott zu Dir spricht – das kann ganz einfach sein: Gott hier bin ich, rede bitte zu mir.
  3. Beginne beim Lesen mit dem neuen Testament – am besten mit einem Evangelium – oder mit einer Geschichte die Dich, aus welchen Gründen auch immer, besonders interessiert.
  4. Nimm Dir u.U. eine Bibellesehilfe um besser zu verstehen
  5. Verstehen ist wichtig, aber nicht alles – vertraue, dass Gottes Wort in Dir wirkt.

Schließen will ich mit einem Jesuszitat, dass Jesus selber aus der jüdischen Bibel (dem alten Testament) entnommen hat. Es steht im Lukasevangelium Kapitel 4, Vers 4 : Jesus sprach: Es steht geschrieben: „Der Mensch lebt nicht allein vom Brot, sondern von einem jeglichen Wort Gottes.“

Es ist gut, wenn wir das bedenken: nicht unsere ach so wichtige Arbeit, nicht unsere Zeitnot, nicht unsere Faulheit oder Bequemlichkeit sollten uns abhalten die Bibel zu lesen. Denn in diesem Buch ist echtes, volles, pralles Leben.

Predigt vom 5.Juni 2011 in der Südkirche, Esslingen-Pliensauvorstadt